BR: “Tante Emma kehrt zurück…”
8. April 2008 von dorfladen-netzwerk | kein Kommentar
Der neueste Trend Tante Emma kehrt zurück …
Er ist mehr als nur eine Einkaufsmöglichkeit: Der Tante-Emma-Laden an der Ecke ist auch Treffpunkt – und gerade für ältere Menschen bedeutet er ein großes Stück Unabhängigkeit. Doch immer mehr kleine Dorfläden wurden in den letzten Jahre geschlossen. Unrentabel waren sie. Nun kehren sie zurück. Als Genossenschaften.
Stand: 08.04.2008

Man wird freundlich mit Namen begrüßt, darf auch mal anschreiben lassen, wenn man den Geldbeutel zuhause liegen hat lassen und kann auch ganz schnell zu Fuß hinlaufen, wenn wieder einmal die Eier im Kühlschrank fehlen: Der Tante-Emma-Laden ist eben mehr als nur eine Einkaufsmöglichkeit. Was man an ihm hat, das merkt man allerdings meistens erst, wenn er verschwunden ist.
Und genau das ist mittlerweile Alltag: Der eigene kleine Laden gehört beinahe in allen kleinen Dörfern der Vergangenheit an. Die Tante-Emma-Läden konnten den großen Supermärkten, Discountern und Einkaufszentren in der näheren Umgebung einfach nicht standhalten. Doch das soll sich nun in immer mehr Dörfern ändern: Immer häufiger gründen Bürgerinitiativen genossenschaftliche Dorfläden. Auch in der 800-Seelen-Gemeinde Amerdingen im Donau-Ries: Hier beteiligen sich die Bürger selbst am Laden.
Ein voller Erfolg: Der Dorfladen als Gemeinschaftsprojekt
“Ein Laden hat einfach gefehlt. Und dann ist man das einfach angegangen, engagierte Bürger haben sich zusammengetan mit dem Gemeinderat. Und dann waren wir auf entsprechender Fortbildung, hat sich verschiedene Läden angeschaut”, erinnert sich Bürgermeister Hermann Schmidt sechs Jahre zurück. Die Gemeinde hat den Laden gebaut, die Bürger haben gute 60.000 Euro als Startkapital durch die Zeichnung von Anteilsscheinen gesammelt. 423 Geschäftsanteile a 125 Euro konnten verkauft werden, jeder zweite Amerdinger ist mit im Boot. Die Idee ist also voll aufgegangen – der Bürgermeister weiß warum: “Jeder fühlt sich in den Dorfladen eingebunden. Das ist mein Laden, ich bin Geldgeber, ich unterstütze diesen Dorfladen – das hat sehr gut funktioniert!”
Der “Oma-Bus” als Service
Nicht nur die Amerdinger selbst sind ihrem Laden treu, auch die älteren Bürger der umliegenden Dörfer und Weiler sind glücklich, dass es den Laden gibt. Als Service des Dorfladens werden sie zweimal in der Woche unentgeltlich von einem kleinen Bus, dem Schulbus, daheim abgeholt und zum Einkauf gefahren. “Für uns Leute, die wir nicht selbst fahren können ist das eigentlich ideal. Es ist halt schön, wenn man wieder selber kaufen kann – da kann man das kaufen, was Du willst”, schwärmt eine der Kundinnen – und spricht damit vielen ihrer Generation aus dem Herzen.
Zeit für einen kleinen Ratsch
Und die Atmosphäre im Laden ist dementsprechend herzlich: Es wird an der Wursttheke geratscht, die Nachbarn tauschen sich zwischen den Regalen über die letzten Neuigkeiten aus, man trifft sich eben – und: das Personal ist besonders hilfsbereit. Das derzeitige Fazit: Der Dorfladen im Amerdingen ist ein voller Erfolg. Schon jetzt platzt der Laden aus allen Nähten, es wird sogar schon über einen Anbau nachgedacht. Auch die Buslinien werden erweitert – denn die ganze Umgebung will etwas haben, von ihrem modernen Tante-Emma-Laden. Ein unpersönlicher großer Supermarkt – das soll der Dorfladen aber auf keinen Fall werden.
Quelle: www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/lavita/lavita-sendungen-archiv-ID1225816325593.xml
















