Landrat und Bürgermeisterin im Dorfladen

Otersen_Landrat und Bürgermeister im DorfladenLandrat Manke aus Goslar im Dorfladen Otersen

Otersen-Dörverden. (sl./gl.) Landrat Stephan Manke aus Goslar, sein Mitarbeiter Thomas Wiesenhütter sowie Bürgermeisterin Karin Meyer aus Dörverden kamen jetzt in den Dorfladen Otersen, um sich über das Modellprojekt “Dorfladen von Bürgern für Bürger” vor Ort zu informieren. Ob im Harz, an der Nordsee oder im Allgäu – überall im ländlichen Raum verschlechtert sich die Nahversorgung. Der letzte Lebensmittelladen schließt, es gibt weder Bäckerei noch Fleischerei, die Bank-Geschäftsstelle hat geschlossen, den Landarzt gibt es nicht mehr und in einigen Regionen wurde auch die Kirche verkauft. “Dann macht sich schnell eine depressive Stimmung im Dorf breit”, befürchtet Bürgermeisterin Karin Meyer und möchte gegensteuern können. “Dörfer werden zum Schlafdorf, schlimmstenfalls zum sterbenden Dorf” nennt es Günter Lühning, Initiator und Aufsichtsrat des Dorfladens Otersen, der seit 2001 von einer 70-köpfigen Bürgergesellschaft betrieben wird. “Otersen war auf dem Weg zum Schlafdorf, die Einwohnerzahl war bereits um 100 auf gut 400 gesunken”, berichtete Lühning seinen interessierten Gästen im Dorfladen. “Wir haben es aber nicht beim Jammern belassen, sondern haben unser Schicksal selbst in die Hand genommen”. Rund 60.000 Euro Eigenkapital haben die 70 Bürger investiert. Otersens Einwohnerzahl ist inzwischen wieder auf 520 gestiegen und “als Rendite für das eingesetzte Eigenkapital gibt es Lebensqualität und die Einsparung immer teurer werdender Fahrtkosten. Das Konzept zur Gründung eines Dorfladens und einen Erfahrungsbericht wurden in Otersen auf 220 Seiten für ein umfassendes Handbuch niedergeschrieben. Von diesem Handbuch wurden inzwischen über 30 Exemplare bundesweit verschickt. Das 32. Exemplar nahm Dörverdens Bürgermeisterin mit in ihr Rathaus und im Kreishaus in Goslar wurde ein anderes Exemplar bereits mit großem Interesse studiert, bevor sich Landrat Stephan Manke auf die Reise nach Otersen machte. Zwischen den Städten Seesen, Goslar, Bad Harzburg und Braunlage gibt es “viele kleine Dörfer im Harz und Orte mit gut 1.000 Einwohnern, für die eine bessere Nahversorgung wünschenswert wäre”, so Landrat Stephan Manke. Er wolle alternative Möglichkeiten kennenlernen, Chancen und Risiken abwägen und gemeinsam mit den Gemeinden und Bürgern vor Ort Potenziale ergründen und nutzen. “Ziel müsse es sein, möglichst viele Angebote unter dem Dach eines Dorfladens zu vereinigen”. Eine Lotto-Agentur, eine Post-Agentur oder einen Hermes-Paketshop, Bestellagenturen von Versandhäusern sowie die Kooperation mit Fleischereien und Bäckereien sowie mit Direktvermarktern nannte Lühning als Beispiele. Bei den 25 Markt-Treffs zur Sicherung der dörflichen Nahversorgung in Schleswig-Holstein gehören auch kleine Dorf-Cafés dazu, die sowohl von Touristen als auch von der dörflichen Bevölkerung gut angenommen werden. Dort gibt es an einigen Tagen in der Woche sogar einen Mittagstisch, der gerne von Senioren des Dorfes angenommen werde, berichtete Lühning. “Derartige Angebote werden aufgrund des Demografischen Wandels zukünftig noch an Bedeutung gewinnen”, war sich Landrat Stephan Manke sicher und wünschte sich in Niedersachsen “eine stärkere Beratung und Unterstützung des Landes, wie es in Schleswig-Holstein bei den Markttreffs üblich sei”. “Dorfläden sind nicht nur Lebensmittelmarkt, sondern Lebens-Mittelpunkt in einem Dorf und aufgrund der sozialen Bedeutung wichtig für die Zukunftsfähigkeit der Orte im ländlichen Raum”, betonte Lühning. “Wer will den Erben denn noch Omas Häuschen abkaufen, wenn es in Dörfern kaum noch Perspektiven, keine Schule, keinen Kindergarten und auch kein Lebensmittelgeschäft oder Bäcker mehr gibt”, fragte Lühning. In der Bedeutung des Thema Nahversorgung waren sich alle Gesprächsteilnehmer einig und wollen in ihren Regionen Möglichkeiten für Verbesserungen ausloten.


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