Regio-Produkte: „Tante Emma“ retten
25. September 2009 von dorfladen-netzwerk | kein Kommentar
Regio-Produkte können “Tante Emma” retten
Sipplingen/Konstanz (as) Auf den Dörfern ist ein Laden um die Ecke, der legendäre Tante-Emma-Laden, längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Viele dieser Dorfläden sahen sich aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, dicht zu machen. An die 50 Bürgermeister, Verwaltungsmitarbeiter sowie Zwischen- und Einzelhändler trafen sich deshalb in Sipplingen zu einem Erfahrungsaustausch zum Thema „Nahversorgung“. Organisiert wurde die anschließende Exkursion zu den erfolgreichen Dorfläden in Sipplingen und Wallhausen von der Bodensee Agenda 21.
„Erst ist der Laden weg, dann folgt der Bäcker, die Post, die Bank und zuletzt auch der Arzt“, beschrieb Reimut Vogel, Chefredakteur des Baden-Württemberg-Magazins, im historischen Sipplinger Rathaussaal die verhängnisvolle Kette. Die unter dem Dach der Internationalen Bodensee-Konferenz angesiedelte Bodensee Agenda 21 hat sich dieser Problematik angenommen und wollte mit dieser Exkursion zeigen, wie es auch in Zeiten der übermächtigen Supermarktketten und Discounter noch möglich sein kann, einen Dorfladen am Leben zu erhalten.
Sowohl in Sipplingen als auch in Wallhausen hat man erfahren müssen, was es heißt, wenn der Dorfladen plötzlich seine Pforten schließt. In beiden Fällen ist es aber gelungen, relativ schnell für eine Ersatzlösung zu sorgen. Allerdings auf ganz unterschiedlichen Wegen.
Während man in Sipplingen mit Alwin und Bettina Beirer aus der Einwohnerschaft heraus ein zupackendes Ehepaar gefunden hat, das den Dorfladen wiederbelebt hat und seit nunmehr schon sechs Jahren erfolgreich betreibt, musste man in Wallhausen, weil hier kein privater Betreiber für den Dorfladen zu gewinnen war, den steinigeren Weg gehen und gründete eine Genossenschaft, die den Dorfladen nun seit April betreibt. Beiden Läden ist eines gemeinsam: Sie heben sich von den Lebensmittelmärkten durch ein so weit wie möglich mit regionalen Produkten bestückten Sortiment ab.
Den beiden Dorfläden in Sipplingen und Wallhausen ist aber noch ein Zweites gemeinsam. Sowohl Sipplingens Bürgermeister Anselm Neher als auch der Wallhauser Ortsvorsteher Roger Tscheulin hoben die persönliche Note hervor, mit denen die Kunden hier bedient würden. Gleichzeitig betonten sie auch, dass „das Lädele“, von dem hier wie dort gesprochen wird, auch eine sehr starke soziale Funktion gefunden habe. „Das Lädele ist auch ein Treffpunkt für unsere Einwohner geworden“, weiß der Ortsvorsteher von Wallhausen. Hinter dem Dorfladen von Wallhausen steckt eine örtliche Genossenschaft mit 250 Mitgliedern, die das Startkapital von rund 40 000 Euro aufgebracht haben. Im Laden arbeiten eine Vollzeit- und fünf Teilzeitkräfte. Außerdem stellen sich auch Genossenschaftsmitglieder ehrenamtlich zur Verfügung. „Der Umsatz liegt bisher über unseren Erwartungen“, freut sich Genossenschaftsvorsitzender Manfred Griesmeier.
Mit Umsatzsorgen muss sich auch Alwin Beirer aus Sipplingen, der von Haus aus Metzger ist, nicht plagen. Durchschnittlich gehen bei ihm werktags 270 Kunden ein und aus. Am Sonntagvormittag sind es etwa Hundert. Dem Dorfladen in Wallhausen ist, um die wirtschaftliche Basis zu verbreitern, auch eine Änderungsschneiderei und ein Fahrradverleih für Touristen angegliedert.
Quelle: Südkurier.de
Informationen im Internet:www.dorfladen-wallhausen.de

















