“Wer Geld gibt – kauft auch ein”
5. Oktober 2009 von dorfladen-netzwerk | kein Kommentar
Wettbewerb : Das DORV-Zentrum ist der Verein des Jahres
Großer Erfolg für die Initiatoren des “DORV”-Dorfladen in Möhnesee-Völlinghausen: Unter 300 Bewerbern wurde der inzwischen 200 Mitglieder zählende “DORV”-Verein beim Südwestfalentag als “Verein des Jahres 2009″ ausgezeichnet. Am 1.4.2010 soll das neue DORV-Zentrum im 1.400 Einwohner zählenden Völlinghausen eröffnet werden. Ende Februar 2009 besuchten Rainer Norbisrath und seine aktiven Kollegen auch den Dorfladen “von Bürgern für Bürger” in Otersen.
Möhnesee. Verein des Jahres 2009 ist die DORV-Gemeinschaft Völlinghausen. Sie erhält 5000 Euro von Westlotto. Ihre Idee: die Sicherung der Versorgung des Dorfes am Möhnesee mit den Dingen des täglichen Bedarfs – vom Brötchen bis zur Briefmarke.
Der Name schreckt ab. Dorf mit V. Das tut weh. Keine Rechtschreibschwäche. Nein. Die Abkürzung steht für (D)ienstleistungen und (o)rtsnahe (R)undum(V)ersorgung. Ein Anliegen, dem sich 200 Frauen und Männer im Ort verschrieben haben. Warum? Das ist schnell erklärt. Es gibt keinen Metzger mehr, keinen Bäcker, keine Post, keine Apotheke. Der Einkauf vor der Haustür ist nicht möglich. Die Fahrt nach Körbecke oder Sichtigvor, beide Orte liegen sieben Kilometer entfernt, notwendig. Eine Situation, die viele Menschen auf dem Land kennen.
Völlinghausen steuert dagegen. „Wir wollen kein Schlafdorf für Soest sein”, sagt Rainer Norbisrath (62), diplomierter Wirtschafts-Ingenieur im Ruhestand. Er gehört zu den fünf Männern, die die Initiative ergriffen haben. „Wir wären doch verrückt, wenn wir uns im Alter nach Eigentumswohnungen in Bad Sassendorf umsehen würden. Wir wollen hier leben und wohnen bleiben.” Mit aller Sorgfalt treibt das Quintett das Projekt voran.
Eine Machbarkeitsstudie liefert Fakten über Kaufkraft, Altersstruktur, Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und Einkaufsverhalten. Und eine Umfrage kommt zu einem Ergebnis: Völlinghausen, 54 Prozent der Einwohner sind über 50 Jahre alt, schreit nach einem Tante-Emma-Laden. Ganz oben auf der Liste der Wünsche stehen Fleisch und Wurst, Obst und Gemüse, Brot und Backwaren, aber auch Hol- und Bringedienst für ältere Mitbürger sind gefragt.
“Wehmut ist nicht dabei”
Die Räume für das DORV-Zentrum sind bereits gefunden, sie liegen mitten im Dorf und gehören heute noch zu einer Gaststätte. Die Inhaber, Martha und Manfred Lüchtefeld, geben das Lokal Ende des Jahres auf. „Wenn ich ehrlich bin, Wehmut ist nicht dabei”, sagt der 62-Jährige, „ich bin froh, endlich in den Ruhestand gehen zu können.” 1963 hatte er als 16-Jähriger nach dem plötzlichen Tod seines Vaters Josef das Lokal geerbt. Über die künftigen Mieter freut sich Lüchtefeld: „Für uns ist das eine gute Lösung. Wir wollten keine Gastronomie mehr.”
Wo heute noch frisches Veltins gezapft wird, werden nächstes Jahr im April Salami und Schweinekoteletts über die Verkaufstheke gehen. Bis dahin aber wartet auf die DORV-Macher viel Arbeit. Der Verein ist gegründet, die Finanzierung des Vorhabens gesichert. 94 500 Euro sind für Umbauarbeiten, Ladeneinrichtug und der Erstausstattung der Ware veranschlagt.
Dem im Mai 2009 gegründeten Verein gehören 200 Mitglieder an. Sie alle wollen das Zentrum mit pesönlichen und finanziellen Beiträgen unterstützen. „Der Verein wird alleiniger Gesellschafter einer GmbH, die das DORV-Zentrum betreibt”, sagt Norbisrath, „Die Leute stehen dahinter, wir haben Einlagen von 46 000 Euro, die Beiträge reichen von 100 bis 5000 Euro.” Eine Verzinsung ihres Geldes bekommen die Einzahler nicht. „Wir sind nicht auf Gewinn aus.” Wenn es gut läuft, bildet der Verein Rücklagen für Investitionen und will die Vereine am Ort finanziell unterstützen.
Nach anfänglicher Skepsis im Ort ist DORV mittlerweile ein Begriff. „Ja”, sagt Georg Spieker, „wir nehmen regen Anteil daran.” Seit 30 Jahren lebt der heute 70-Jährige mit Ehefrau Walburga in der alten Försterei im Ort. „Wir genießen die Stille und die Nachbarschaft. Hoffentlich bleiben die Leute bei der Stange.” Das hofft Florens von Bockum-Dolffs auch.
Die Familie des 68-Jährigen, größte Grundeigentümerin am Ort, steht hinter DORV: „Hoffentlich fruchtet die Idee. Wir wollen das Dorf aktiv halten.” Voller Optimismus sehen die Organisatoren der Eröffnung des Zentrums im April 2010 entgegen. Öffentliche Fördermittel gibt es dafür nicht. „Gleichwohl, der Laden wird laufen”, sagt Norbisrath. „Wer Geld gibt, kommt auch zum Einkaufen.” Er wird der künftige Geschäftsführer der DORV-GmbH sein. „Ehrenamtlich, also ohne Honorar aber mit Haftung.”
Weitere Informationen zum DORV-Projekt Völlringhausen














