“Nachfrage nach Nahversorgungslösungen”
16. Oktober 2009 von dorfladen-netzwerk | kein Kommentar
Rainer Utz, Lebensmittel-Großhändler in 3. Generation, nahm in einem Interview für www.dorfladen-netzwerk.de am 16.10.2009 aktuell Stellung zu aktuellen Themen der Nahversorgung im ländlichen Raum. Die “zunehmende Nachfrage nach Nahversorgungslösungen” beantwortet der Lebensmittel-Großhändler aus Ochsenhausen nicht nur mit Warenlieferungen sondern mit zukunftsweisenden Vertriebskonzepten und umfangreichen Dienstleistungenfür “Um´s Eck”-Geschäfte in Baden-Württemberg und Bayern, sowie Dorfläden, die zunehmend von Bürgergesellschaften betrieben werden.
Frage: Ihr Unternehmen beliefert als Lebensmittel-Großhändler insbesondere kleinere Lebensmittel-Einzelhändler, „Um´s Eck“-Geschäfte und Dorfläden, die teilweise von Bürgergesellschaften betrieben werden. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der Nahversorgung im ländlichen Raum?
Rainer Utz: “Wir registrieren eine zunehmende Nachfrage nach Nahversorgungslösungen vor allem im ländlichem Raum von Seiten der Kommunen, aber auch von interessierten Bürgern. Selbst an Standorten, die langjährig nicht mehr mit einem Lebensmittelgeschäft versorgt sind werden Bemühungen sichtbar, dort wieder eine Versorgung herzustellen”.
Frage: Mit welchen Dienstleistungen unterstützen Sie als Großhändler die kleinen Nahversorger?
Rainer Utz: “Als Großhandelszentrale ist es unser Anspruch, die uns angeschlossenen Nahversorgungskunden nicht nur mit Ware, sondern auch mit Dienstleitungen zu versorgen. Das geht von der Standortanalyse über klassisches Marketing hin bis zur praktischen mit Hilfe bei Neubestückung und Umbauten von Geschäften. Unsere Zielsetzung ist es, die uns angeschlossenen Nahversorgungsgeschäften langfristig existenzfähig aufzustellen”.
Frage: Wie beurteilen Sie als Fachmann den ungebremsten Preiskrieg und ruinösen Wettbewerb im Lebensmittel-Einzelhandel?
Rainer Utz: “Unter dem Eindruck der Finanz-und Wirtschaftskrise haben insbesondere die Discounter ihr Werbebudget deutlich erhöht und setzen Preisaktionen: Hierdurch wird der Eindruck geweckt, dass diese Vertriebsformen die Preise laufend senken; die parallel dazu erfolgenden Preiserhöhungen gehen im Blickwinkel der Öffentlichkeit dabei offensichtlich unter. Als Großhandelsunternehmen geben wir rückläufige Preise – derzeit insbesondere bei Molkereiprodukten und einigen Grundnahrungsmitteln – zügig an unsere Kunden weiter. Dennoch kommen Umsätze und Erträge unserer Kunden durch den ruinösen Wettbewerb enorm unter Druck.
Frage: Über wie viel Ladenfläche, über wie viele verschiedene Artikel in den Regalen und welche Zusatz-Angebote sollte ein optimaler Nahversorger verfügen?
Rainer Utz: “Gerade im ländlichen Raum richtet sich die Fläche eines Nahversorgers sehr häufig nach den gegebenen Möglichkeiten; ein Neubau ist hier eher die Ausnahme. Es gelingt uns hierbei aber auch auf kleiner Fläche immer ein nachfrageorientiertes Angebot zu platzieren. Damit ein Nahversorger vom Verbraucher als echte Alternative für den Einkauf jedoch angenommen wird, empfehlen wir eine Verkaufsfläche von 120-200 qm. Auf dieser Fläche positionieren wir ein Sortiment im Umfang von 2.500 bis 3.000 Artikel”.
Frage: Sehen Sie realistische Chancen für Kleinflächen unter 150 qm oder sogar unter 100 qm Ladenfläche?
Rainer Utz: “Wie bereits ausgeführt sehen wir die Untergrenze für eine attraktive Verkaufsfläche bei 120 qm. Dennoch haben wir in unserem Kundenkreis viele Beispiele, die auch auf kleinerer Fläche erfolgreich sind. In diesen Fällen müssen die Kaufleute jedoch deutlich mehr Flexibilität und Kreativität entwickeln, um den Verbraucherwünschen gerecht werden zu können”.
Frage: Welche guten Ratschläge können Sie den Inhabern kleiner Nahversorgungsgeschäfte und Dorfläden „von Bürgern für Bürger“ zwischen Allgäu und Nordseeküste verraten?
Rainer Utz: “Ein starkes Engagement der Betreiber und der Mitarbeiter. Nicht der letzte Preis entscheidet sondern Freundlichkeit, Fachkompetenz und Sortiments-Mix. Starke regionale Partner ins Boot bringen (Bäcker, Metzger). Binden Sie die Vereine vor Ort in das Dorfladengeschehen ein, für Feste und Sonderaktionen. Kindergärten sind z.B. gute Werbeträger. Gutes Marketing (neue Einwohner im Ort über Rundschreiben begrüßen, bzw. kleine Aufmerksamkeit zur Geburt). Dies alles sind Kundenbindungsinstrumente, die sehr geschätzt werden”.
Frage: Wie beurteilen Sie das neue Internet-Portal www.dorfladen-netzwerk.de?
Rainer Utz: “Bei dieser Homepage ist der Name wirklich Programm. Ich kenne im deutschsprachigem Raum kein weiteres Projekt, dass derart umfangreich und informativ über die Nahversorgung im allgemeinen und Dorfläden im speziellen informiert. Insbesondere das Dorfladen-Handbuch stellt für neue Dorfladenprojekte eine unschätzbare Hilfe dar”.

















