Bürger engagieren sich für lebendige Dörfer
30. Dezember 2009 von dorfladen-netzwerk | kein Kommentar
Die Bürgerkommune als Gegenmodell der Zuschauerdemokratie. Die Bürgerkommune gilt als ein Modell, um in Zukunft lebendige Dörfer zu erhalten. Zu diesem Zukunftsthema veröffentlichen wir hier auszugsweise einen Bericht aus süddeutschen Medien.Wie sieht unsere Welt im Jahre 2020 aus? Den Antworten hat das bayerische Innenministerium kurz vor Weihnachten eine interessante Note beigefügt. “Künftig werden auch in Bayern erhebliche demografische Veränderungen auf uns zukommen. Landesweit wird die Bevölkerung spätestens ab dem Jahr 2020 kontinuierlich abnehmen“, zieht Innenminister Joachim Herrmann als Fazit aus dem Statistischen Jahrbuch 2009. Dabei wird es regionale Unterschiede geben – also Gegenden, in denen immer weniger Leute wohnen werden. Eine Entwicklung, wie sie aus wirtschaftlich weniger reich gesegneten Bundesländern bereits bekannt ist.
Was tun, außer dem, was Landesregierungen ohnehin tun: Wirtschaft fördern, Infrastruktur stützen, Jobs sichern? Seit den 90ern wird – damals noch unter weniger Brisanz – in Deutschland an Modellen für eine Bürgerkommune gefeilt, für die sich Menschen auch in schwierigen Zeiten einsetzen. Im Netzwerk Gemeinsinn hat der emeritierte Professor für Sozialwissenschaften Helmut Klages einige Thesen dazu veröffentlicht: “Die Bürgerkommune ist als Perspektive ebenso real wie fundamental. Für die Steigerung der eigenen Lebensqualität, der Bildung kleinteiliger, paralleler Wirtschaftsstrukturen und damit den Erhalt eines attraktiven Naherholungsraums.
Gibt es in den Dörfern und Städten der Region Modelle, Initiativen, Projekte, die im wirtschaftlichen und strukturellen Sog des Oberzentrums bestehen können? Die Spurensuche fördert eine Reihe von Einzelkonzepten zu Tage, die eine Bürgerkommune erahnen lassen:
Dorfladen: Ein preisgekröntes Modell ist der Dorfladen im Illertisser Teilort Jedesheim. Das Forum für Dorf- und Landentwicklung in Thierhaupten hat die seit acht Jahren bestehende Einrichtung als vorbildlich ausgezeichnet: Sie ist für 1500 Einwohner ein Zentrum der Dorfgemeinschaft geworden. Nach Verlust des Tante-Emma-Ladens hat sich eine Genossenschaft gebildet, die gestützt auf rund 270 Mitglieder, auf rund 100 Quadratmetern einen florierenden Laden betreibt. Die Aufgabe: Nahversorgung auf dem Lande. Dazu gibt es Aktionen, Veranstaltungen, Brief- und Bestellservice und Märkte. Vorsitzender Siegfried Schwab in einem Interview: Alle haben ein Ziel vor Augen, der Laden soll funktionieren. Vorstand, Aufsichtsrat und andere Mitglieder bringen sich dafür ehrenamtlich ein.
Dorfkneipe: Im Weißenhorner Teilort Wallenhausen schmeißen die Vereine das Dorfgasthaus schräg gegenüber der Kirche. Seit nahezu elf Jahren betreiben die ehrenamtlichen Institutionen die Bürgerstube als zentralen Treffpunkt. Das letzte Dorfwirtshaus war bereits 1966 abgerissen worden. Die Bürgerstube wird von einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts, gebildet von der Dorfgemeinschaft, in einem ehemaligen, umgebauten Bauernhof betrieben. Dort finden Sitzungen und Treffen der Vereine statt. Der Saal wird für Hochzeiten, Geburtstage, Faschingsbälle und Theateraufführungen genutzt.
Bürgernetzwerk: In Nersingen hat sich vergangenes Jahr ein lokales Bürgernetzwerk gegründet, bei dem die Bürger ihr Wissen ehrenamtlich vermitteln, Hilfe tauschen oder in Anspruch nehmen. Computerkurs, Englischkurs, Nachhilfe für Schüler, Unterstützung in Haus und Garten – das Projekt “von Nersingern für Nersinger” ist unter dem Dach des Rathauses mit vielseitigen Hilfsangeboten gestartet.
Ortsmarketing: In Pfaffenhofen hat sich die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Vereinsring und Gewerbeverband so weit institutionalisiert, dass deren Veranstaltungen, Märkte und Aktionen tausende von Besuchern in den Ort locken und diesem den Ruf einer Wohn- und Schlafgemeinde ersparen.
Mehrgenerationenhaus: In Langenau ist ein Mehrgenerationenhaus als jüngstes Projekt einer quirligen Kleinstadtgesellschaft fester Bestandteil des kulturellen Lebens geworden: Das neueste Angebot neben Kursen, Freizeitanregungen und weiteren Dienstleistungen für Jung und Alt ist das Tagescafé. In der Diskussion ist zudem der Bau eines Mehrgenerationen-Wohnhauses in der Nau-Stadt.
















