Kirchlicher Dorfladen in Brockel

Dorfläden als letzte Einkaufsmöglichkeit am Wohnort werden zunehmend “von Bürgern für Bürger” und auch von (politischen) Gemeinden betrieben. In Brockel bei Rotenburg in Niedersachsen betreibt die Kirchengemeinde seit 10 Jahren einen Dorfladen.Den folgenden Bericht fanden wir im Internet auf der Homepage der Kirchengemeinde Brockel (www.kirche-rotenburg.de):

Dorfladen Brockel

Brockel_Dorfladen

Beginn und Ziele

Anfang des Jahres 1997 schloss das einzige Lebensmittelgeschäft in Brockel, einem Dorf mit 1200 Einwohnern. Ein zweiter Versuch eines Pächters endete kurze Zeit später. Relativ schnell wurde der Verlust deutlich: Ein unkompliziertes Einkaufen “mal eben um die Ecke” war nicht mehr möglich. Die nächste Einkaufgelegenheit befand sich im Nachbardorf, das in der Regel mit dem Auto erreicht wird. Für viele ältere Menschen bedeutete das einen Verlust von Selbständigkeit. Zudem entfiel ein kommunikatives Zentrum, in dem man sich zwanglos treffen und ins Gespräch kommen konnte. Auch dies traf insbesondere ältere, allein lebende Personen.

Die Kirchengemeinde Brockel wollte hier Abhilfe schaffen. Es entstand die Idee, in kirchengemeindlichen Räumen einen Laden zu betreiben, der

  1. ein Angebot von Grundnahrungsmitteln, Getränken, Schreibwaren, Hygieneartikeln bereit hält,
  2. Menschen, insbesondere älteren, die Gelegenheit bietet, sich mit anderen Menschen zu treffen, ins Gespräch zu kommen,
  3. ein niedrigschwelliges Angebot der Kirchengemeinde ist, eine Verbindung zwischen Kirche und Dorf, an dem auch für kirchliche Angebote geworben werden kann,
  4. die Idee der Nachhaltigkeit fördert (Einkaufen ohne Auto, Einkaufen von Produkten aus der Region, Angebot von Eine-Welt-Produkten),
  5. in erster Linie von ehrenamtlichen MitarbeiterInnen betrieben wird.

Projektplanung und erste Schritte

Innerhalb der gemeindlichen Räume musste zunächst mit dem Ausbau eines Jugendraumes Platz für den Laden geschaffen werden. Schließlich wurde der “Christliche Verein Pfarrscheune Brockel” gegründet, der als gemeinnütziger Verein Träger des Dorfladens ist. Es mussten bauliche (Baunutzungänderung) und versicherungstechnische Fragen geklärt werden, ein Gewerbe wurde angemeldet, der enge Kontakt zur Kommune gesucht (der Bürgermeister ist Vereinsmitglied). Es wurden günstige Zulieferer gefunden, die bereit sind, auch geringere Liefermengen zu akzeptieren. Ein Gemüselandwirt aus der Kirchengemeinde sagte seine Mitarbeit zu. Schließlich wurden Regale, Kühltheke, Kühltruhe, Kasse und Waage gekauft. Es konnte losgehen. Bereits während der Planungsphase, die schwerpunktmäßig durch den Diakon der Kirchengemeinde betreut wurde, stießen eine Reihe ehrenamtliche Mitarbeiter/innen aus dem Bereich der sog. “jungen Alten” zum Projekt, u.a. ein pensionierter Kaufmann, dem wir viel an Knowhow zu verdanken haben. Die Kirchengemeinde versah den Verein mit einem Startkapital von DM 25.000,-.

Der Laden “läuft”!

Am 17. April 1999 öffnete der Laden zum ersten Mal seine Türen. Dadurch, dass für Miete und Lohn keine Kosten anfallen, konnte das Warenangebot kontinuierlich erweitert werden: Alle täglichen Bedarfsartikel kann man im Dorfladen kaufen. Der Verein hat zurzeit 25 Mitglieder, 8 Personen arbeiten im Laden mit. Vor allem wird der Dorfladen als ein niedrigschwelliges Angebot der Kirchengemeinde verstanden und angenommen. Im Gespräch werden ganz bewusst Veranstaltungen und Initiativen der Kirchengemeinde bekannt gemacht:  die “Ferienaktion Kinder aus Tschernobyl”, der Kürbisverkauf oder ein besonderer Gottesdienst. Es gibt eine Pinnwand für Lokales und Regionales.  Gerade ältere Menschen nehmen die Möglichkeit, dort Menschen aus dem Dorf oder auch den Pastor zu treffen und  zu klönen, gerne wahr.


Einen Kommentar schreiben

du mußt angemeldet sein, um kommentieren zu können.