Laden in Dettum nach 130 Jahren erhalten

Nach 130 Jahren schließt der letzte Laden in Dettum (Landkreis Wolfenbüttel, Niedersachsen) und soll von Bürgern erhalten werden.

Erhalten – aber viele offene Fragen

Bürgerversammlung über den Fortbestand des Dorfladens in Dettum

Von Tobias Wagner

DETTUM. “Wir können den Kopf in den Sand stecken oder nach vorne gucken”, sagte Bürgermeister Willi Dietzsch in der Bürgerversammlung, in der es um den Dettumer Dorfladen ging. Die Firma Stoffregen unter der Leitung von Margarete Sander schließt nach 130 Jahren zum Ende März nächsten Jahres (wir berichteten ausführlich).

Die Einwohner im vollen Beeke-Hus waren für den Blick nach vorn. “Detailfragen wollen und können wir heute allerdings nicht klären. Es geht erst mal um Allgemeines”, sagte Christiane Redecke, die mit Dietzsch, Olaf Glaeske, Bernhard Tammen und Helmut Bosse die Versammlung vorbereitet hatte.

Im Vorfeld hatte die Gruppe Fragebögen in den Orten der Gemeinde Dettum verteilt, um die Wünsche der Einwohner zu ermitteln. Insgesamt seien in den drei Orten 1227 Personen in 699 Haushalten zu finden. 46 Prozent der Einwohner hätten sich beteiligt, 28 Prozent der Haushalte.

“Die Zahlen sind recht gut, eine höhere Beteiligung hätten wir uns aber doch erwünscht”, sagte Dietzsch. Von 197 Haushalten haben 187 einen Fortbestand des Dorfladens für gut befunden. Der Großteil der Verbraucher würde auch etwas mehr Geld für die Waren ausgeben als bei einem Discounter. Die Gruppe hatte sich im Ort Otersen im Landkreis Verden den “Dörpsladen” angesehen, der seit 2001 mit Gesellschaftern betrieben wird. Eine hauptamtliche Geschäftsführerin führe den Laden, eine Gewinnbeteiligung für die Gesellschafter gebe es nicht. “Sie beteiligen sich ideell und finanziell”, so Glaeske.

Ebenfalls gebe es einen Förderverein. Eine solche Form könne man sich auch für Dettum vorstellen. Die Bereitschaft, sich als Gesellschafter zu beteiligen war bei einer Umfrage unter den Teilnehmern recht groß. Doch bei dieser Geschäftsform müsse man vieles beachten. Man brauche Kapital, zuverlässige Lieferanten, Ausstattung, Waren, Geschäftsräume, Personal und einen geeigneten Geschäftsführer. “Den zu finden, macht mir am meisten Sorgen”, so Bernhard Tammen.

Er müsse viel Know-How mitbringen, viel Zeit und kaufmännisches Wissen. Fest stehe, dass der Laden in der jetzigen Form nicht mehr wirtschaftlich laufe. “Wenn es eine Goldgrube wäre, dann stünden ja schon längst Leute vor der Tür”, meinte ein Zuschauer. Alternative Betreiberformen müssten ebenfalls überlegt werden. “Klar ist, dass wir die Erfahrungen von Margarete Sander auf jeden Fall nutzen müssen”, so Dietzsch. Diese erklärte sich auch zu jedem Gespräch bereit.

Die Organisatoren, die als Lenkungskreis fungieren, wollen bis zum Januar weitere Details ausarbeiten. Dann solle es eine erneute Versammlung geben. “Wir sehen, dass das Interesse an einem Laden sehr groß ist, und es zeigt uns, dass wir ihn auf jeden Fall erhalten müssen”, so Willi Dietzsch abschließend.

Quelle:  newsclick.de – Braunschweiger Zeitung – 11.12.2009


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