“Miniladen” in Kempten-St. Mang
8. Dezember 2009 von dorfladen-netzwerk | kein Kommentar
Wer im ländlichen Raum lebt, die mangelhafte Nahversorgung in seinem Heimatdorf beklagt und sich für einen “Dorfladen – von Bürgern für Bürger” engagiert, wird von den in Städten lebenden Freunden, Kollegen und Verwandten oftmals freundlich belächelt oder nicht wirklich verstanden. Inzwischen ist die mangelnde Nahversorgung aber nicht nur ein “Dorf-Thema”, sondern längst in Vororten und Stadtteilen angekommen. Im zu Kempten im Allgäu zählenden Stadtteil St. Mang haben jetzt 160 Bürger “nach dörflichem Vorbild” eine Genossenschaft gegründet, die einen Lebensmittel-Nahversorger betreibt. “Miniladen” heißt in St. Mang die “städtische Schwester” vieler ländlicher Dorfläden.
Neueröffnung „Miniladen im Oberösch“ in Kempten-St. Mang
Groß war der Ansturm im und vor dem Miniladen im Oberösch, als er am 23.10.09 mit großem Bahnhof eröffnet wurde. Damit hat die Bevölkerung des Stadtteils Sankt Mang die immer wieder bemängelte Nahversorgungslücke in Eigeninitiative geschlossen. Ein Arbeitskreis wurde gebildet, der sowohl die Gründung der „Miniladen Genossenschaft eG“ als auch den Laden auf den Weg brachte. Vom Regale schrubben und aufbauen bis zur Einrichtung des Lagers und Büros haben die AK-Mitglieder bei der Vorbereitung kräftig Hand angelegt, wie eine kleine Fotowand vor dem Laden dokumentierte. Als Ergebnis des Engagements verlockt nun ein Lebensmittel-Vollsortiment auf freundlich gestalteten 100 Quadratmetern dazu, die Einkaufstaschen zu füllen – zu durchaus „konkurrenzfähigen Preisen“, so Genossenschaftsvorstand Robert Treffler.
Mit Dominik Zick sei ein Marktleiter gefunden worden, der auch den älteren Kunden aus den beiden nahe gelegenen Seniorenanlagen stressfreies Einkaufen ermögliche, wies Treffler auf ein weiteres Plus des Miniladens hin. „Eine echte Partnerschaft“ sei mit dem auf Dorfläden spezialisierten Lebensmittel-Großhändler Utz aus Ochsenhausen entstanden, der den Laden bei Bedarf sogar täglich beliefern werde. Während drinnen schon munter die Kasse klingelte, gab es draußen viel Lob von offizieller Seite. „Heute hat unser Baby das Licht der Welt erblickt“, bat Vorstandsmitglied Thomas Pezely alle darum, dem Miniladen auch „durch seine Kinder- und Jugendzeit zu helfen“. Mario Dalla Torre, Chef der Bau- und Siedlungsgenossenschaft (BSG) bedankte sich bei all denen, die „die Hoffnung für den Tante-Emma-Laden nie aufgegeben haben“. Die Verwirklichung des Projektes bedeute eine Verbesserung der Lebenssituation insbesondere der Senioren in unseren Wohnquartieren. Bezug nehmend auf den Grundgedanken der Genossenschaften, sah OB Dr. Ulrich Netzer den Miniladen als „ein gutes Zeichen für diesen Stadtteil“.
Zur Eröffnung des “Miniladen” kam auch Kemptens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer nach Sankt Mang.
Die Allgäuer Zeitung berichtete im Mai 2009 wie folgt über die Gründung der Genossenschaft:
Miniladen in Sankt Mang kommt
Projekt – Finanzierung gesichert – Nun wird Genossenschaft gegründet
Die Idee eines kleinen Geschäfts, das frische Produkte anbietet, hatte vielen Sankt Mangern bei der ersten Vorstellung Anfang Februar gefallen. Doch Unternehmensberater Wolfgang Gröll sprach davon, dass die Finanzierung über eine Genossenschaft laufen solle und dass die Bürger sich selbst einbringen müssten. Statt Begeisterung herrschte erst einmal Skepsis. Um diese auszuräumen, gingen die Mitarbeiter der BSG mit gutem Beispiel voran: Alle 80 erklärten sich bereit, je einen Anteil über 150 Euro zu zeichnen.
Seitdem, freut sich Quartiersmanager Stiller, habe sich viel getan: Neben den 80 BSG-Mitarbeitern erklärten sich 108 weitere Bürger bereit, Anteile zu zeichnen. Mit Unterstützung der BSG, der Allgäuer Volksbank und der Arbeiterwohlfahrt Sankt Mang seien nun 41400 Euro beisammen.
«Hervorragend ist, dass wir mit dieser Summe auskommen», sagt Stiller. Denn der Arbeitskreis habe zu Anfang damit gerechnet, dass der Laden zur Hälfte fremdfinanziert werden müsse. Stiller: «Wir haben Pläne für die Ersteinrichtung des Ladens erstellt und Berechnungen über die wirtschaftliche Darstellung erarbeitet.» Die 41400 Euro reichten aus.
«Die Bewohner des Quartiers stehen jetzt voll hinter ihrem Miniladen», meint Stiller. Ihrem Engagement und ihrem sozialen Verantwortungsbewusstsein sei es zu verdanken, dass die Nahversorgung vor allem vieler älterer Sankt Manger verbessert werde.
Weiter Anteile zeichnen
Wie es nun weitergeht und wie die bisherigen Pläne aussehen, erörtert der Arbeitskreis am kommenden Dienstag. Dann wird auch der Aufsichtsrat für die Genossenschaft gewählt. Und selbstverständlich, so Stiller, könnten weitere Bürger Anteile zeichnen.















