“Supermarkt im Nachbarort kann Lebensqualität nicht bieten”

Eta Schwanemann vom “Arbeitskreis Dorfzentrum Steinau” brachte es auf den Punkt: “Durch einen Dorfladen bleibt Steinau attraktiv und lebendig. Diese Lebensqualität kann uns kein Supermarkt in einem Nachbarort bieten.”

Arbeitskreis am 2.12.2009_NEZSeit Monaten konzentrierten sich die Planungen für ein neues Dorfzentrum in der Gemeinde Steinau im Landkreis Cuxhaven auf die Immobilie “Docks”. Aufgrund unterschiedlicher Preisvorstellungen zwischen Verkäufer und Gemeinde könnte jetzt die “Alternative B” interessanter werden: Das Gasthaus Peters mit dem im Frühjahr geschlossenen, letzten Lebensmittelgeschäft in Steinau – gleich neben Kirche und Holzschuhmacher-Haus. Die Niederelbe-Zeitung Cuxhaven berichtete Anfang Dezember über die jüngste Sitzung des engagierten Arbeitskreises:

STEINAU. Herber Rückschlag für die Steinauer Dorfladen-Initiative: Nach mehreren Monaten Planungszeit, einem Ortstermin mit der Kommunalaufsicht und einer fast abgeschlossenen Machbarkeitsstudie ist der Traum vom “Tante-Emma-Laden” mit Kommunikationszentrum in der Ortsmitte des Sietland-Dorfes ins Wanken geraten. Die bislang favorisierte Immobilie steht nach Auskunft von Bürgermeister Hans-Jürgen Mangels nicht zur Verfügung.

Ende April hatte Lars Dock am Rande einer Gemeinderatssitzung gegenüber der NEZ bekundet, sein Gasthaus an die Gemeinde verkaufen zu wollen. Doch von einer Einigung sind die Verhandlungspartner weit entfernt. Unterschiedliche Preisvorstellungen der Gemeinde und des Eigentümers des Gasthauses Dock nennt Mangels als Grund für die gescheiterten Verkaufsgespräche. Für ihn “ein herber Rückschlag”.

Als Favorit galt die Dock-Immobilie vor allem wegen des vorhandenen Saales. Der Grund: Laut Umfrageergebnis ist den Steinauern nicht nur der Erhalt einer Einkaufsmöglichkeit im Ort wichtig, sondern vor allem eine Lokalität zum Essengehen, für große Familienfeste, Vereinstreffen und kulturelle Veranstaltungen. Zurzeit sieht es laut Mangels so aus, als würde Lars Dock zumindest den Saalbetrieb weiter aufrecht erhalten.

Gescheitert sei die bislang mit 11 000 Euro geförderte Dorfladen-Initiative aber noch lange nicht, versichert der mit der Machbarkeitsstudie betraute Wolfgang Kleine-Limberg vom Regionalplanungsbüro “Mensch und Natur” in Hannover. Mit dem seit Frühjahr 2009 leer stehenden Einzelhandelsgeschäft und Gasthaus Peters gibt es in der Ortsmitte eine weitere Immobilie, in der die Initiative ihre Pläne verwirklichen könnte. Im Internet wird das unter anderem mit einem rund 200 Quadratmeter großen Laden und einer Gaststube ausgestattete Fachwerkhaus für 100 000 Euro zum Verkauf angeboten. Den Kontakt zu Eigentümer Hartwin Peters hat Bürgermeister Mangels bereits aufgenommen.

Aufgeben wollen auch die rund 30 engagierten Frauen und Männer der Dorfladen-Initiative nicht. Mit einer Umfrage in allen Steinauer Haushalten, Exkursionen in Dorfläden im Raum Verden und schleswig-holsteinische Markttreffs, einem Wochenendseminar sowie vier Arbeitskreis- und diversen Kleingruppen-Treffen haben sie bereits viel Zeit und Energie in ihre Idee investiert.

Sogar die Bereitschaft von regionalen Anbietern, den Dorfladen mit Fleisch, Obst, Gemüse und Blumen zu beliefern, hat die Initiative bereits abgefragt. Als Gesellschaftsform für die von Dorfbewohnern zu finanzierende Ladeneinrichtung und das Erstsortiment (insgesamt rund 40 000 Euro) stehen Verein und Genossenschaft zur Debatte. Mehr noch: Das Steinauer Dorfladen-Projekt hat sich über Rundfunk, Internet und einen mehrseitigen Artikel in einem landwirtschaftlichen Fachmagazin längst überregional herumgesprochen.

Mitinitiatorin Eta Schwanemann spricht aus, was alle Projektbefürworter denken: “Durch einen Dorfladen bleibt Steinau attraktiv und lebendig. Diese Lebensqualität kann uns kein Supermarkt in einem Nachbarort bieten.”

Von Heike Leuschner (Niederelbe-Zeitung, Cuxhaven)


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