Berater Wolfgang Gröll: Machtbarkeitsstudie und Soll-Ist-Vergleich

Wolfgang Gröll_2_500Bei der Gründung von Dorfläden oder “Bürgerläden” hat sich Unternehmensberater Wolfgang Gröll nicht nur in Bayern einen Namen gemacht. Wolfgang Gröll berät Gemeinden und Bürgergesellschaften, hält Vorträge in Bürgerversammlungen, erstellt Machbarkeitsstudien und führt nach der Eröffnung einen Soll-Ist-Vergleich durch. In einem Interview beantwortete Wolfgang Gröll die Fragen von www.dorfladen-netzwerk.de.Frage: Herr Gröll, in Deutschland boomt die Neugründung von Dorfläden durch Gemeinden und engagierte Bürgergesellschaften. Welche Gründe gibt es für diesen Gründungs-Boom?

90 % der Dorfläden erfolgreich

Wolfgang Gröll: “Die Bevölkerung hat in dem Modell des “Bürgerladens” aufgrund der bisherigen Erfolgsquote Vertrauen gewonnen. Derzeit überleben 90 % der bereits gegründeten Dorfläden und davon wiederum 100 % der in den letzten drei Jahren neugegründeten Dorfläden. Auch ist der Erfahrungsaustausch in Bayern sehr eng”.

Frage: Wie viel Einwohner sollte ein Dorf – wie viel qm Ladenfläche sollte ein Dorfladen haben, damit sich ein Dorfladen auch wirtschaftlich lohnt?

Wolfgang Gröll: “Dies lässt sich nicht pauschalieren. Es gibt sehr erfolgreiche Dorfläden mit 25 qm wie auch mit 600 qm Verkaufsfläche. Ich bin der Meinung, dass gerade bei der Flächendiskussion viele Fehler gemacht werden. Ich weiss auch, dass gerade die Nationalfilialisten wie REWE und EDEKA gerne diese Flächendiskussion aufgreifen”.

Frage: Gibt es eine weitere Voraussetzungen und Erfolgsrezepte, damit ein kleines Lebensmittelgeschäft auf Dauer erfolgreich betrieben werden kann?

Regionalität, Persönlichkeit, kleines Café

Wolfgang Gröll: “Die wichtigsten Erfolgsfaktoren sind derzeit die Regionalität, die Persönlichkeit der Mitarbeiterinnen sowie nett eingerichtete kleine Cafés mit 4 bis 10 Sitzplätzen.

Frage: Welche Rechtsform empfehlen Sie den Bürgergesellschaften in Süddeutschland?

Wolfgang Gröll: “Die meist genutzte Rechtsform ist derzeit noch die Genossenschaft. Die Genossenschaft hat einen riesen Vorteil gegenüber den anderen Alternativen. Sie sieht ein Kopf-Stimmrecht vor. Das heisst, nicht das eingelegte Kapital der Gesellschafter bzw. Mitglieder ist entscheidend, sondern jedes Mitglied hat nur eine Stimme. Auch kann über Kapital -wie dies bei einer GmbH der Fall ist- keine mittelbare Macht auf den Dorfladen ausgeübt werden. Dies wird dann klar, wenn ein Gründungskapital von z.B. 30.000 € benötigt wird und eine bzw. wenige Personen das wesentliche Kapital einer GmbH von 25.000 € stellen. Hier merken wir nach einiger Zeit (meist nach 2 bis 3 Jahren nach der Gründung), dass die anfängliche Motivation der Mitglieder spürbar nachlässt und nicht selten die Kapitalmacht der wenigen Personen der GmbH dies auch deutlich nach aussen lebt”.

Frage: Welche Vorteile hat die “Analog-Genossenschaft” im Vergleich zu a.) einer GmbH und b.) zu einer Genossenschaft eG?

Kostengünstige “Analog-Genossenchaften”

Wolfgang Gröll: “Zunächst wurde in der Analog-Genossenschaft alle Elemente der Genossenschaft 1:1 übernommen. Der wesentliche Vorteil liegt darin, dass diese Gesellschaft sehr schnell gegründet werden kann und diese auch -nicht wie bei der Genossenschaft mit 3 Aufsichtsratsmitgliedern und 2 Vorständen- mit weniger Personen im Aufsichtsrat und Vorstand bzw. der Geschäftsführung geführt werden kann. Auch sind die Gründungskosten weit aus geringer und es besteht auch keine Prüfpflicht vom Genossenschaftsverband.

Frage: Welche Tipps geben Sie hinsichtlich der Laden-Gestaltung und Inneneinrichtung?

Wolfgang Gröll: “Alle Läden, die ich bisher begleitet habe, wurden von den “Laien” selbst geplant und gestylt. Damit erhält jeder Dorfladen seine persönliche und individuelle Note. Selbstverständlich achten wir stets auf die Grundelemente der Planung. Einfach gesagt: Wir liefern das Skelett und die Bürger vor Ort setzen das Fleisch dazu. Damit erhält jeder Laden sein eigenes Gesicht”.

Unternehmensberater Wolfgang Gröll hat sich auf Dorf- und Bürgerläden spezialisiert

Unternehmensberater Wolfgang Gröll hat sich auf Dorf- und Bürgerläden spezialisiert

Frage: Die Personalkosten sind ein bedeutender Kostenfaktor für einen Dorfladen. Haben Sie eine Empfehlung?

Veredelung, höhere Handelsspannen und bessere Profilierung

Wolfgang Gröll: “Zunächst möchte ich die Personalkosten ins richtige Licht rücken. Wir begleiten Dorfläden mit einer Personalaufwandsquote von 18 % sowie mit einer Quote von 7 % des Jahresumsatzes. Entscheidend ist nicht immer, das niedrige Kosten erzielt werden. Entscheidend ist die Wertschöpfung vor Ort. Beide Modelle können einen ausreichenden Überschuss erwirtschaften. Der Unterschied liegt im Wesentlichen an den Veredelungsideen der Mitarbeiterinnen. Entsprechend können die Geschäfte mit einer höheren Personalaufwandsquote durch Veredelung von Waren (z.B. belegte Brötchen, Snacks) auch eine höhere Handelsspanne erwirtschaften. Vorteil einer höheren Handelsspanne ist in der Regel, dass diese Geschäfte auch eine bessere Profilierung gegenüber ihren Wettbewerbern erreichen”.

Frage: Für welche Aufgaben im Dorfladen-Betrieb sind ehrenamtliche Helfer empfehlenswert?

Wolfgang Gröll: “Grundsätzlich werden alle Arbeiten im Dorfladen immer ortsüblich bezahlt. Ehrenamtliche Aufgaben werden -meist beid en Genossenschaften- im Bereich der Vorstands- und Aufsichtsratsämter erbracht”.

Frage: Warum sollten sich Bürger mit Eigenkapital (z.B. 200 € für einen Anteil) am örtlichen Dorfladen beteiligen und sich ein Stück Lebensqualität vor Ort sichern?

Wolfgang Gröll: “Weils einfach Spass macht. Im Ernst: weil hiermit auch wieder Dorfläden an schwierigen Lagen aufgebaut werden. Die Akzeptanz eines gemeinschaftlich finanzierten Dorfladens ist in der Bevölkerung weitaus höher”.

Frage: Viele Großhandlungen bieten auch eine betriebswirtschaftliche Beratung an. Welchen Vorteil hat es, einen unabhängigen Berater wie Sie zu engagieren. Sie kosten ja auch Geld?!?

Unabhängige Beratung, Begleitung und geringe Ausfallquote

Wolfgang Gröll: “Unser oberster Grundsatz ist es, dass das investierte Geld in unsere Leistungen in der Regel schon zu Beginn des Gründungsprozesses erwirtschaftet ist. Zum einem beinhaltet unsere Begleitung die juristische Arbeit in Kooperation mit ausgewählten Fachanwälten und zum anderen begleiten wir die Prozesse im Wesentlichen in der Umsetzung. So fahren wir mit zu den Lieferanten und verhandeln die Lieferverträge mit aus. Hier erzielen wir sehr oft weitaus bessere Konditionen als die Lieferanten zunächst anbieten. Hier sehen Sie schon die erste Interessenkollision mit der in Anspruch genommenen Beratungsleistung der Lieferanten zur zukünftigen Zusammenarbeit im Laden. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Zusammenstellung des Sortimentes. Da in der Regel der Schwerpunkt des Sortimente die Region darstellt, zeigt sich auch hier, dass dies nicht immer im Interesse einzelner Lieferanten liegen dürfte. Selbstverständlich nutzen wir die Potenziale aller Prozessbeteiligten. So werden die Ladenplanungen grundsätzlich auch von den Lieferanten erstellt. Unsere Arbeit muss neutral und unabhängig sein, sonst würden wir auch nicht bis zu 70% bzw. teilweise bis zu 90% gefördert werden. Die Eigenleistung liegt in der Regel in der Größenordnung einer Machbarkeitsstudie. Die Begleitung erfolgt bis zum ersten Soll-Ist-Vergleich, der ca. 1 bis 6 Monate nach der erfolgten Eröffnung durchgeführt wird. Nur so können wir garantieren, dass die Ausfallquote der Dorfläden so gering bleibt”.

Schreibe einen Kommentar