Dorfladen in Riedbach auf dem besten Weg

Kleinsteinach (Gemeinde Riedbach). Rügheim hat einen, ebenso wie Prappach oder Jesserndorf. In einigen Ortschaften gibt es ihn noch, den guten alten Dorfladen – aber man muss schon suchen, es werden immer weniger. Im Zeitalter moderner Supermärkte und Discounter mit fußballfeldgroßen Flächen scheint kein Platz mehr Tante-Emma-Läden. In Kleinsteinach haben nun die Bürgerinnen und Bürger das Heft in die Hand genommen und wollen in Eigeninitiative ihren eigenen Dorfladen betreiben.Gründungversammlung Ein Kaufladen mit Cafe, Poststelle und Paketdienst – von den Bürgern für die Bürger.

Ein Dorf ohne Wirtschaft und Kaufladen war früher wie ein Auto ohne Räder. Inzwischen ist das fast schon der Normalfall. In Kleinsteinach sorgte die Bäckerei Triebel seit vielen Jahrzehnten für frische Backwaren und für das, was man schnell mal braucht. Als vor einiger Zeit Horst Triebel ankündigte, zum 31. Juli seine Backstube zu schließen, erschien das als endgültiges Aus.

Nun darf man hoffen, dass es weitergeht. Am Freitagabend hatte der zwölfköpfige Arbeitskreis (AK) “Dorfladen Riedbach” die Bevölkerung zu einer Versammlung eingeladen. Dieser Aufruf stieß nicht auf taube Ohren, denn über 70 Interessierte hatten den Weg ins Sportheim gefunden. Im Anschluss an die Informationsveranstaltung gründeten 62 Frauen und Männer ihren “Riedbacher Dorfladen”.

Damit es überhaupt soweit kommen konnte, musste der AK eine Menge Vorarbeit leisten. Wie Georg Lindner berichtete, treffen sich seit fast einem halben Jahr die Mitglieder des AK im wöchentlichen Rhythmus, um das Projekt anzuschieben. Ihre Vision: In Riedbach soll ein Dorfladen entstehen, der weit mehr ist als nur ein Einkaufsmarkt. Von den Bürgern für die Bürger.

Neben frischen, bezahlbaren und möglichst regionalen Produkten soll es ein sozialer Treffpunkt werden für Jung und Alt – mit Stehcafe, Paketdienst, Reinigungsannahme, Poststelle, Lottoannahme und Lieferservice. Senioren- und behindertengerecht. Angepeilt sind Öffnungszeiten von sechs Uhr früh bis abends um sieben. Das Grundkapital für Ausstattung und Betrieb soll von den Bürgern selber aufgebracht werden und wirtschaftlich will man keinen Profit, aber eine “schwarze Null” erzielen. Sogar einige Arbeitsplätze könnten entstehen.

Klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Im ganzen Landkreis gibt es noch nichts Vergleichbares. Aber wollen die Riedbacher das überhaupt? Um darauf eine Antwort zu kriegen, verteilte der AK Fragebögen an alle 667 Haushalte. Von den über 200 Bögen, die zurück kamen, bekundeten rund 80 %, dass sie den Laden nutzen würden.

Bürgermeisterin Birgit Bayer und ihrer Stellvertreterin Elke Heusinger ist das Vorhaben eine Herzensangelegenheit. Und so beauftragte der Gemeinderat im Mai den Unternehmensberater Wolfgang Gröll mit einer Machbarkeitsstudie.

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Als der Unternehmensberater Wolfgang Gröll die rechtlichen Grundlagen erläutert, sind die Kleinsteinacher ganz Ohr. 62 der Gäste trugen sich als Gründungsmitglieder des Riedbacher Dorfladens ein. Foto: Wagner

Nach den Analysen des Experten stellt sich die Ausgangssituation so dar: Auf der geplanten Verkaufsfläche von 140 qm soll ein Jahresumsatz zwischen 250.000 und 400.000 Euro erwirtschaftet werden, das entspricht einem durchschnittlichen Tagesumsatz von 860 Euro. Für Einrichtung, Ausstattung und Waren müssen rund 35.000 Euro investiert werden. Dieses Geld soll von den Bürgern kommen, die sich an “ihrem” Laden mit einer Mindesteinlage von 200 Euro beteiligen können.

Um auch die nötigen Formalien “rüberzubringen”, hatte man mit Gröll einen Insider geholt. Der eloquente Berater aus Starnberg in Oberbayern hat schon an die 100 Dorfläden aus der Taufe gehoben. Die meisten im süddeutschen Raum, etliche auch in den neuen Bundesländern. Über 90 % davon, betonte er, “laufen gut”.

Unschwer war zu erkennen, dass Gröll das Gründungsprozedere nicht zum ersten Mal durchexerzierte. Kompetent, professionell, zügig und mit viel Übersicht erläuterte der Fachmann die rechtliche Seite, die sich eng an den Genossenschaftsgedanken und der sog. “Mini-GmbH” anlehnt. Jeder haftet – wenn alles schiefgeht – nur mit dem Betrag, den er einbringt.

Dann wurden Nägel mit Köpfen gemacht. 62 Personen entschlossen sich an diesem Abend, Gründungsmitglieder zu werden. Sie bringen 14.500 Euro ein – die werden aber erst dann fällig, wenn feststeht, dass der Laden tatsächlich läuft.

Dafür müssen noch etliche begeistert werden, denn der wirkliche Startschuss fällt, sobald die Summe der Einlagen etwa 30.000 Euro beträgt. Möglichst viele sollen noch auf den Dorfladenzug aufspringen. Entsprechende Verträge sind in der Bäckerei Triebel, bei den Bürgermeistersprechstunden und bei den Beiräten erhältlich.

Unter Leitung von Bürgermeisterin Birgit Bayer erfolgte die Wahl von 15 Beiräten aus den Reihen der Gesellschafter. Georg Lindner, Elke Heusinger, Nicole Kerzinger, Martin Heusinger,k Antje Heusinger, Renate Maier, Horst Triebel, Michael Hofmann, Bianca Müller, Dirk Sauer, Brigitte Guerra, Doris Hochrein, Thomas Schmitt, Uta Albert und Ulli Schuhmann werden das Projekt weiter vorantreiben.

Wenn alles klappt, soll im August und September umgebaut werden und möglicherweise kann man im Oktober schon die Eröffnung feiern. Mit ihrem Verhalten haben die Kleinsteinacher bewiesen, dass man mehr machen kann als jammern und klagen. Ihre Tatkraft und Zivilcourage, ihr Einfallsreichtum und Zusammenhalt könnten durchaus zur Nachahmung anregen. Sicher, es ist ein Experiment, mit noch unsicherem Ausgang. Einen Versuch ist es allemal wert.

Quelle: inFranken.de - 12.06.10  Von: Manfred Wagner


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