“Fünf zu vier gegen Tante Emma”
24. Juni 2010 von dorfladen-netzwerk | kein Kommentar
“Fünf zu vier gegen Tante Emma” und “Gewonnen und doch verloren” – Mit dieser Schlagzeile wird der Bericht über die denkbar knappe Entscheidung des Gemeinderates von Steinau (Landkreis Cuxhaven) gegen die Dorfladen-Pläne von der Niederelbe-Zeitung Cuxhaven (Ausgabe vom 24.6.2010) eingeleitet. Bürger und Sponsoren wollten 40.000 € Eigenkapital aufbringen.
STEINAU. Gewonnen und doch verloren – so lässt sich die Geschichte der Steinauer Dorfladen-Initiative zusammenfassen. Gewonnen deshalb, weil am Ende die von den Bürgern geforderten 40 000 Euro zusammengekommen wären. Und am Ende verloren, weil die Mehrheit des Gemeinderats dem Projekt keine Zukunftschancen einräumt.
Man hätte eine Stecknadel zu Boden fallen hören können, als Bürgermeister Hans-Jürgen Mangels am Dienstagabend das Ergebnis des nichtöffentlichen Teils der Gemeinderatssitzung verkündete. Die eigentliche Abstimmung über den Kauf der Immobilie des ehemaligen Gastwirts Hartwin Peters am Lauentheil 8 hatte – ordnungsgemäß – unter Ausschluss der rund 20 Zuschauer stattgefunden. “Die Entscheidung ist fünf zu vier gegen das Projekt ausgefallen. Das ist Demokratie”, sagte Mangels, der die Entscheidung selbst sichtlich bedauerte.
Das Abstimmungsergebnis kam für viele überraschend: Nachdem der Arbeitskreis Dorfladen in buchstäblich letzter Sekunde die geforderten 40 000 Euro für die erste Lebensmittelgrundausstattung und einen Teil der Ladeneinbauten dank einer großzügigen Spendenzusage des DRK-Kreisverbandes Land Hadeln zusammenbekommen hatte, gingen zumindest die Befürworter des Projektes davon aus, dass der Rat seinem eigenen – im Frühjahr gefassten – Grundsatzbeschluss folgen und dem Immobilienkauf zustimmen würde. Doch im Gremium der Kommunalpolitiker hatten sich Befürworter und Gegner des Dorfladenprojektes bis zuletzt nahezu die Waage gehalten. Das bestätigte auch CDU-Ratsherr Armin Heitmann.
Das “Nein” der Ratsmehrheit begründete er – nach hartnäckigen Nachfragen aus den Zuschauerreihen – damit, dass die von den Bürgern geforderten 40 000 Euro bereits auf der Bürgerversammlung am 7. Mai zusammenkommen sollten. Dass den Steinauern zwei Nachfristen eingeräumt wurden, kritisierte er genauso wie die hohen Kosten, die einer Machbarkeitsstudie zufolge nach dem Kauf des “maroden Gebäudes” auf die Gemeinde zukämen. Heitmann bezweifelte, dass es bei den geschätzten 440 000 Euro Umbaukosten bleibt. Das Argument, dass Steinau 75 Prozent der Sanierungskosten aus dem Dorferneuerungsprogramm beantragen kann, spielte für die Ratsmehrheit keine entscheidende Rolle. Heitmann mahnte die Folgekosten an und erinnerte daran, dass die Gemeinde nach einer Förderung zwölf Jahre an das Gebäude gebunden sei. “Das Risiko ist zu groß.” Außerdem blieben dann keine Handlungsspielräume mehr für andere Maßnahmen wie Rad- oder Fußwege.
Ein Argument, das für Dorfladen-Mitinitiatorin Eta Schwanemann nicht zählt: “Wir können unser Dorf doch gleich ganz plattmachen, wenn wir keinen Treffpunkt mehr im Ort haben”, schimpfte sie. “Wann wird die Gemeinde einmal mehr Geld zur Verfügung haben als jetzt, um ein solches Projekt zu realisieren?”
Von Heike Leuschner
















