Steinau: 32.000 € für die eigene Versorgung

Im 920 Einwohner zählenden Steinau im Landkreis Cuxhaven könnte schon bald ein Bürger-Dorfladen eröffnet werden. Am 9. Juni wurde der sommerliche Info-Abend von vielen Bürgern zur Information und zum Zeichnen von weiteren Dorfladen-Aktien mit einem Anteilswert von 150 € genutzt. Die Mitglieder des Arbeitskreises, Bürgermeister Hans-Jürgen Mangels, Wolfgang Kleine-Limberg vom Planungsbüro Mensch+Region und Günter Lühning vom Dorfladen-Netzwerk standen interessierten Einwohnern Rede und Antwort. Mehrere Direktvermarkter luden beim Markttag mit Obst und Gemüse, Blumen, Leckereien einer Landschlachterei und eines regionalen Bäckers zum Probieren ein. Besichtigt wurde das 2009 geschlossene Geschäft von Hartwin Peters. Statt überwiegend Bekleidung und einem kleinen Lebensmittel-Sortiment könnte hier schon bald ein Lebensmittel-Einzelhandelsgeschäft mit 140 qm Ladenfläche als Dorfladen “von Bürgern für Bürger” eröffnet werden. Die Ladenfläche dürfte ausreichen für 1.500 Artikel aus dem Lebensmittel-Sortiment. Zusätzlich gibt es einen Raum für einen kleinen Getränkemarkt. Das ehrgeizige Ziel von “40.000 € Eigenkapital in 4 Wochen” seit der Bürgerversammlung am 10. Mai wurde zwar nicht erreicht, aber mit 209 gezeichneten Anteilen á 150 € bringen die Bürger immerhin fast 32.000 Euro zur “Sicherung der Nahversorgung der kurzen Wege”, gab Bürgermeister Hans-Jürgen Mangels bekannt. Das Konzept wird jetzt hinsichtlich der Kosten optimiert, damit ein Bürger-Dorfladen in der Gemeinde Steinau Wirklichkeit werden kann. “Wir haben sogar unseren Kindergarten selbst gebaut”, berichtete ein Steinauer Einwohner stolz, als auf dem idyllischen Platz zwischen Kirche, Holzschuhmacherhaus und dem wahrscheinlich Dorfladen-Domizil reges Markttreiben als kleines Dorfgemeinschaftsfest herrschte.

Die Niederelbe-Zeitung Cuxhaven berichtet am 11. Juni 2010 wie folgt:

Mit einem Informations- und Markt-Abend wurde in Steinau für den Dorfladen geworben. Foto: Leuschner - NEZ

Mit einem Informations- und Markt-Abend wurde in Steinau für den Dorfladen geworben. Foto: Leuschner - NEZ

STEINAU. Es war ein beeindruckender Schlussspurt, den der Arbeitskreis Dorfladen Steinau am Mittwochabend für sich verbuchen konnte. 80, 90 vielleicht auch 100 Steinauer tummelten sich auf dem Platz vor dem ehemaligen Gasthaus und Gemischtwarenladen von Hartwin Peters. Das Ziel: Ein Dorfladen von Bürgern für Bürger.

Draußen auf dem Parkplatz bot sich ein Bild wie auf einem Wochenmarkt: Bäcker Lohse aus Ihlienworth verkaufte Brot und süße Teilchen; Hartwig Ehlers, ebenfalls aus Ihlienworth, bot Obst aus eigenem Anbau an; Erich Janssen aus Odisheim war mit seiner Gärtnerei vertreten; der Stinstedter Landschlachter Herbert Lafrenz verkaufte Wurst aus eigener Herstellung und die Landfrauen sorgten für das leibliche Wohl. Sie alle wären mit ihren Angeboten dabei, wenn der Dorfladen tatsächlich eröffnen würde.

Kerstin Oest gehört zu den Steinauern, die sich bislang zurückgehalten haben. Am Mittwochabend griff auch sie zum Stift, um einen Anteil für die Bürgergesellschaft zu zeichnen, die den Dorfladen betreiben soll. “An mir soll es nicht scheitern”, sagte die 46-Jährige, die seit 25 Jahren in der Gemeinde lebt. Ob sie hier auch einkaufen werde, wisse sie noch nicht. “Aber wenn ich nicht mitmache, nehme ich auch anderen diese Chance.”

Dorfladen-Experte Günter Lühning verteilte Unterlagen, auf denen die Bürger ihre Bereitschaft bekunden konnten, das Projekt mit 150 Euro oder mehr zu unterstützen. Nach der ersten Bürgerversammlung Anfang Mai waren rund 20 000 Euro für Ausstattung und das erste Lebensmittelsortiment zusammengekommen. Am späten Mittwochabend waren es nach Auskunft von Bürgermeister Hans-Jürgen Mangels noch einmal gut 10 000 Euro mehr.

Das ist immer noch weniger als die angepeilten 40 000 Euro. “Aber zuviel, um jetzt aufzuhören”, glaubt Mangels. Die Befürworter der Initiative geben ihm Recht. “Es geht auch mit 30 000 Euro, wenn wir bei der Einrichtung etwas sparen können”, sagt Lühning und verweist auf eine Machbarkeitsstudie.

Dennoch bleiben Fragezeichen: Wird das Angebot von so vielen genutzt, dass sich der Dorfladen selbst trägt? Reichen die Einnahmen, um die Betriebskosten zu decken?

Am Dorfladen spaltet sich das Dorf, heißt es immer wieder. Auch im Steinauer Gemeinderat sitzen nicht nur Fans der Initiative. Es sei eben kein kleines finanzielles Projekt, räumt auch Bürgermeister Mangels ein. Abgesehen von dem, was die Bürgergesellschaft aufbringen soll, stehen geschätzte 440 000 Euro für Kauf und die Sanierung der Immobilie Peters im Raum. Trotz aller Aussichten auf Zuschüsse aus der Dorferneuerung müsste die Gemeinde auch ihren Haushalt belasten. Es wird weiter diskutiert – bis zur nächsten Ratssitzung am 22. Juni…

Von Heike Leuschner


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