Dem Dörfersterben Einhalt gebieten
15. Juli 2010 von dorfladen-netzwerk | kein Kommentar
Warum ein erfolgreicher Unternehmer künftig auch Eier und Brötchen in seinem Heimatdorf verkauft
Geislingen-Binsdorf, 14.07.2010 von Rosalinde Riede (Quelle: Zollern-Alb-Kurier | Südwest-Presse)
„Ich will nicht tatenlos zuschauen, wie unsere Dörfer aussterben“, sagt Helmut Preuß. Der Unternehmer hat den Binsdorfer Dorfladen übernommen, sieht sich aber keinesfalls in einer Samariterrolle.Denn seiner Entscheidung, den Laden künftig zu führen, gingen wirtschaftliche Berechnungen und Überlegungen voraus. Zweiter wichtiger Aspekt für Preuß, der in Binsdorf aufgewachsen ist, war die Bereitschaft der Binsdorfer, den Laden anzunehmen. „Ob der Laden eine Zukunft hat, liegt einzig an den Binsdorfern“, betont Preuß, der in Bisingen mehrere Unternehmen, unter anderem „Truck Süd“ betreibt, und mit seiner Ehefrau Sabine und den drei Kindern in Erlaheim lebt. Es gibt noch eine weitere Verbindung zwischen dem Geschäftsmann und dem Dorfladen: Helmut Preuß hat von 1984 bis 1987 in Binsdorf Einzelhandelskaufmann gelernt – sein damaliger Chef war Manfred Braun, der den Binsdorfer Laden fast 30 Jahren führt und nun in den Ruhestand geht. Außerdem lebt auch Preuß’ Vater noch in dem Dorf.
Als Manfred Braun seinen ehemaligen Lehrling darauf ansprach, dass er seinen Laden schließen wird, hat Preuß nachgedacht und eine Entscheidung getroffen: „Das Aussterben unserer Dörfer muss gestoppt werden und wenn der Staat nichts tut, müssen die Bürger ran.“ So wird zur Zeit parallel von Sabine Preuß in Erlaheim das Gasthaus „Engel“ als Hotel umgebaut.
Bevor die endgültige Entscheidung für die Übernahme fiel, hat Preuß eine Bürgerbefragung in allen Haushalten gestartet. Er hat für sein Projekt „Punkt“ – so der Name des neuen Geschäftes – seine Mitarbeiterin Sarah Straub als Koordinatorin eingesetzt. Straub ist Projektleiterin und wird bei gestalterischen Fragen von Sabine Preuß unterstützt. Beide Frauen haben ein pfiffiges Konzept erstellt, das auf den Zahlen der Bürgerbefragung aufbaut.
„Wir wollen und können nicht mit den Discountern um uns herum in den Wettbewerb treten“, betont Preuß. Der neue Laden soll die Grundversorgung sichern und ein Treffpunkt für die Binsdorfer werden. Aus diesem Grund ist auch ein Stehcafé vorgesehen.
Bei der Umgestaltung sollen die Bürgerwünsche, die aus der Befragung hervorgegangen sind, umgesetzt werden. So ist es ein ganz großes Anliegen der Binsdorfer, dass sie nach der Schließung ihrer Postfiliale wieder eine Post am Ort bekommen. Und hier waren die Bemühungen von Sarah Straub bereits von Erfolg gekrönt. „Letzte Woche hatten wir ein Gespräch mit einem Vor-Ort-Betreuer der Deutschen Post. Dieser hat uns die erfreuliche Nachricht überbracht, dass Binsdorf eine so genannte ‘kleine Partnerfiliale’ bekommen wird“, teilt sie diese gute Nachricht mit.
Der Laden wird komplett umgebaut, um ihn zukunftsfit zu machen. Dafür ist Preuß bereit, 130 000 Euro „aus eigenen Mitteln“ zu investieren – „weil die örtlichen Banken sich nicht in der Verantwortlichkeit fühlen, solche Projekte wie Dorfgaststätte oder Laden mit zu begleiten.“.
Während des Umbaues, der noch diesen Monat startet, brauchen die Binsdorfer nicht auf ihre Grundversorgung zu verzichten. „Truck Süd“ stellt einen Verkaufswagen zur Verfügung, der vor dem Laden stehen und von Manfred Braun bis zu Eröffnung des neuen Geschäftes betrieben wird.
Der Binsdorfer „Punkt“ mit viel grün als Hingucker soll im Oktober eröffnet werden. „Rund 80 Prozent der Lieferanten stehen bereits fest“, sagt Sarah Straub. Es werden viele regionale Produkte in den Regalen stehen. Und auch das „Punkt“-Personal soll aus Binsdorf kommen. Eine Vollzeitkraft wird als Leiterin eingestellt, die von zwei bis drei Teilzeitkräften unterstützt wird.
Bürgerumfrage Binsdorf: Ergebnisse als Grundlage für die unternehmerische Entscheidung
der Bürgerbefragung:
Von den 335 Haushalten haben sich 281 Haushalte an der Bürgerbefragung beteiligt. Somit liegt die Beteiligung bei 83,88 Prozent. „Die Resonanz war überwiegend positiv und zeigt wiederum die Wichtigkeit der Nahversorgung“, betont Projektleiterin Sarah Straub.
Fast 95 Prozent der befragten Binsdorfer Haushalte wünschen sich, dass die Versorgungssituation vor Ort auch in der Zukunft erhalten bleibt.
Fast 89 Prozent haben angegeben, dass sie ihre Einkäufe bei einem entsprechenden Angebot auch in Binsdorf erledigen würden.
Freundlichkeit ist eines der Kriterien, dass sich die Binsdorfer für das Personal ihres Dorfladen wünschen. Preis und Qualität sollen stimmen und an oberster Stelle rangiert die Frische der Ware. Die Befragung hat außerdem ergeben, dass die Kunden Wert auf regionale Produkte legen.
















