Dortmund: Läden oft zu weit entfernt

Das Thema “Mangelnde Nahversorgung” ist längst  nicht mehr nur ein Thema für den ländlichen Raum, sondern inzwischen in den Städten angekommen.

Läden für Bürger oft zu weit entfernt

Dortmund, 04.07.2010, Frank Bußmann

Die Nahversorgung der Bürger ist in Gefahr, so der  Einzelhandelsverband.

Die Nahversorgung der Bürger ist in Gefahr, so der Einzelhandelsverband.

Dortmund. Sie ist eines drängenden Themen der Stadtentwicklung: die Nahversorgung der Bürger. Gerade für Ältere sollten Einkaufsmöglichkeiten fußläufig vorhanden bleiben. Doch längst gibt es Viertel in Dortmund, in denen dieses Prinzip nicht mehr gilt.

DIe Nahversorgung der Bürger mit Lebensmittel gehört zu den wichtigsten Themen der Stadtentwickler. Gerade für Ältere sollten Einkaufsmöglichkeiten fußläufig vorhanden bleiben. Doch längst gibt es Viertel in Dortmund, in denen dieses Prinzip nicht mehr gilt. Anlass genug für den Einzelhandelsverband Alarm zu schlagen: „Die Nahversorgung gerät in Gefahr“, so Geschäftsführer Thomas Schäfer. Seine Erfahrungen: Verbrauchermärkte und Selbstbedienungswarenhäuser machen sich auf dem umkämpften Markt gegenseitig das Leben schwer, andererseits schließt in einigen dicht besiedelten Räumen der letzte kleine Supermarkt. In Dortmund sieht Schäfer unter anderem Mengede in Teilen unterversorgt, auch Oestrich habe Defizite oder Scharnhorst in den Randbezirken.

Städte wie Dortmund steuern diesem Trend des Marktes schon seit geraumer Zeit entgegen: Nahversorgungskonzepte, an deren Entwicklung die unterschiedlichsten Partner beteiligt sind, oder planunsgrechtliche Möglichkeiten werden durchaus ausgeschöpft.

Aufenthaltsqualität der kleineren Zentren erhalten

„Wenn sie denn von den Kommunen genutzt werden, reichen diese Steuerungsinstrumente meist aus“, findet Schäfer. Es gelte aber, so sein Appell, das Problembewusstsein aufrechtzuerhalten. Ziel des Verbandes sei es nicht, Konkurrenz zu verhindern, sondern auch, die Aufenthaltsqualität der kleineren Zentren zu erhalten. Schäfer: „Konkurrenz ist gut, sie braucht aber Regeln.“

Der EHV-Geschäftsführer weiß von zahlreichen Anfragen von Investoren im Revier, die dann in die neue Immobilie einen Discounter pflanzen. So würden die fußläufig erreichbaren Märkte auf Dauer beschädigt. Diese kleineren Geschäfte sind dem Marktdruck oft nicht gewachsen. Sie werden von den immer größer werdenden Verkaufsflächen der anderen Anbieter ins Aus gedrückt.

Kleine Läden bringen 8 Prozent des Umsatzes

Fakt ist: die Zahl der Klein- und Kleinst-Betriebe mit Flächen von rund 400 Quadratmetern wird immer geringer. Ihr Marktanteil, weiß Schäfer sinke seit Jahren. Bundesweit erreichen sie nur noch acht Prozent des Gesamtumsatzes im Lebensmitteleinzelhandel. Discounter und SB-Warenhäuser teilen sich den großen Umsatzkuchen.

Andererseits: In einigen Ortsteilen kämpfen neue, hochprofessionell geführte Tante-Emma-Läden am Markt. Manche Experten geben ihnen keine Chance, weil sie zu teuer sind und sich betriebswirtschaftlich nicht rechnen. Andere prophezeien ihnen eine lukrative Marktnische aufgrund ihrer starken Kundenorientierung. Das Problem drängt, weiß Schäfer. Die Gesellschaft altert. Und gerade für Senioren ist die gute Erreichbarkeit ihres Ladens entscheidend. In Dortmunder leben derzeit rund 50 000 Bürger, die über 80 Jahre alt sind.

Quelle: Der Westen.de – 4.7.2010


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