“Wer weiter denkt, kauft näher ein”

Der neue Verein “Pro Regio Oberland” engagierte sich für die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe.

Ein Dorfladen für „Kirchmaushausen“

17.07.2010 – BIRSTEIN

von Frank Schäfer

„Pro Regio Oberland“ fördert regionale Wirtschaftskreisläufe

„Wir wollen eigentlich nichts Besonderes, sondern einfach nur einen Traum realisieren. Den Traum von einem selbstbestimmten Leben, einer autarken Region, einer funktionierenden Gemeinschaft mit Respekt vor der Natur.“ So stellt sich der neue Verein „Pro Regio Oberland“ vor, der sich zum Ziel gesetzt hat, die regionalen Wirtschaftskreisläufe zu fördern.

Erstes Projekt ist ein Dorffest in Kirchbracht, bei dem am 2. Oktober auch ein Dorfladen für die drei Dörfer Kirchbracht, Mauswinkel und Illnhausen – kurz „Kirchmaushausen“ genannt – eröffnet werden soll. In ihm wird alles verkauft, was diese Dörfer zu bieten haben, und wenn es der übrig gebliebene Salat aus dem eigenen Garten ist.

Sieben Menschen haben diesen Verein gegründet, eine Satzung verabschiedet und einen Vorstand gewählt. Er besteht aus Dieter Mai (Kirchbracht) als Vorsitzendem, Raimund Wiegand (Wüstwillenroth) als Stellvertreter und Anke Merth (Kirchbracht) als Kassiererin. Beim Amtsgericht Gelnhausen wurde die Satzung zur Eintragung ins Vereinsregister eingereicht und beim Finanzamt die Anerkennung der Gemeinnützigkeit beantragt. Aber die Aktivitäten laufen bereits auf vollen Touren, für das Dorffest am 2. und 3. Oktober und das Projekt des Dorfladens hat der Verein bereits viele Mitstreiter gewinnen können.

Geld in der Region lassen

Er und seine Tochter Anke Merth hätten sich geärgert, dass sich in Birstein so wenig tue, berichtete Dieter Mai im Gespräch mit dem Gelnhäuser Tageblatt. Unmittelbarer Auslöser sei dann die Diskussion um die Windkraftanlagen des Isenburgischen Fürstenhauses gewesen. Im Zentrum der Aktivitäten steht die Stärkung des regionalen Wirtschaftskreislaufs. Das Prinzip heißt: „Wer weiter denkt, kauft näher ein.“ Wer bei regionalen Anbietern Lebensmittel kauft, bei regionalen Betrieben und Handwerkern kauft oder fertigen lässt, der lasse das Geld in der Region und sichere hier die Arbeitsplätze. Dieter Mai verweist auf eine bundesweite Initiative, die genau zu diesem Zweck jedes Jahr am Erntedankfest den „Tag der Regionen“ begeht, auch als Gegenpol zu den Folgen der Globalisierung. In Hessen findet er in diesem Jahr an vier Orten statt – einer davon wird Kirchbracht sein. Dieter Mai und seine Mitstreiter haben eine Aufstellung gemacht, was es in „Kirchmaushausen“ alles gibt. Und sie kamen auf mehr als 30 Anbieter von Lebensmitteln, Handwerker- und sonstigen Dienstleistungen. Die wurden bereits mit ins Boot geholt. Und auch das Projekt des Hofdorfladens ist bereits in trockenen Tüchern. Er wird bei Eva und Werner Leitzgen im Volkartshainer Weg in Kirchbracht entstehen. Dort wird es die unterschiedlichsten Dinge zu kaufen geben, auch von Privatleuten, die einen Teil ihrer Ernte aus dem eigenen Garten anbieten können. Jeder kann dort verkaufen, was er übrig hat. Der Startschuss fällt am 2. und 3. Oktober, beim großen Fest, das gleichzeitig das offizielle Gründungsfest des Vereins sein soll.

Fest der drei Dörfer

Alle drei Dörfer, die nur wenige hundert Meter auseinander liegen, werden in das Fest eingebunden. Die Besucher werden mit Pferdekutschen als „Shuttle“ zwischen den Dörfern hin und her gefahren, wobei auch das Hofgut Entenfang zwischen Mauswinkel und Fischborn angefahren wird. Die Illnhäuser Gaststätten „Zum grünen Stern“ und „Sonnenhof“ haben ihre Biergärten geöffnet, es gibt Vorführungen beim Hausmetzger, in der Schäferei Krauthan und bei der Imkerei Leitzgen, der von Dieter Mai geleitete Wirtschaftsverein „Sonnenholz“ stellt Energieanlagen vor, die Kirchbrachter Biogasanlage kann besichtigt werden. Weiter gibt es eine Feuerwehrübung, einen Gottesdienst, eine Kräuterwanderung rund ums Dorf, eine geschichtliche Führung, einen Oberländer Kuhfladen-Bingo, ein Schinken-Lotto und Attraktionen für die Kleinen. Eine Crew von 20 jungen Leuten, sagt Dieter Mai, sei bei den Vorbereitungen dabei. Und es gibt im Internetforum „wer kennt wen“ auch eine Gruppe „Pro Regio Oberland“, der inzwischen 43 Menschen beigetreten sind.

Darauf ruht sich der junge Verein nicht aus. Er will den „Tag der Regionen“ und den Grundgedanken des regionalen Wirtschaftens in die anderen Birsteiner Ortsteile übertragen. Ein weiteres konkretes Projekt sind Computerkurse für Menschen ab 50 Jahre. Die sind kostenlos, wie Dieter Mai ankündigt, sogar die Laptops werden vom Verein gestellt.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.pro-regio-oberland.de. Kontakt gibt es unter Tel. 06054/ 4780270 oder E-Mail proregio@live.de.


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