125 Bürger als Dorf-Schrittmacher
23. August 2010 von dorfladen-netzwerk | kein Kommentar
Nicht nur in Deutschland – auch in der Schweiz treten immer mehr Bürger-Gesellschaften auf den Plan und sichern sich die Nahversorgung vor Ort durch einen “Dorfladen – von Bürgern für Bürger”. In Niederried sichern 125 Mitglieder in einer neuen Genossenschaft den Fortbestand des Schrittmachers für das Herz des Dorfes.Solidarität von 125 Genossenschaftern
Dorfladen wird weiter bestehen
Die Bevölkerung von Niederried hat eine Genossenschaft gegründet. Diese soll den Weiterbetrieb des beliebten Dorfladens sichern. Bis zur Gründung haben sich 125 Personen oder Firmen als Genossenschaftsmitglieder verpflichtet. Das Projekt Dorfladen befindet sich auf gutem Weg.
Die Zukunft des Dorfladens ist gesichert. Am Freitagabend stimmten 60 Anwesende in Niederried der Gründung einer Genossenschaft zum weiteren Betrieb des beliebten Geschäfts zu. Die Arbeitsgruppe, die sich für die Weitererhaltung des Ladens stark gemacht hat, verstand es in kürzester Zeit die Bevölkerung zu mobilisieren. 125 Personen und Firmen haben bis zur Gründungsversammlung ihre Absicht kundgetan, die Genossenschaft zu tragen. Rund 60’000 Franken Startkapital kamen bislang so zusammen. Das Präsidium des Genossenschaftsvorstandes übernahm Johann Burgener, er wird bei seiner zukünftigen Arbeit von sechs weiteren Vorstandsmitgliedern unterstützt.
Weiterhin Anteilscheine zeichnen
Nach einer Informationsveranstaltung im April begann eine Arbeitsgruppe nach Lösungen für den Weiterbetrieb des Dorfladens zu suchen. Die bisherige Inhaberin und Betreiberin, Erna Amacher, möchte kürzertreten, die Arbeit im Geschäft umfasst weit mehr als 100 Stellenprozente (diese Zeitung berichtete). Seit elf Jahren kümmert sich Amacher bereits um den Dorfladen. «Das grosse Interesse an der Aufrechterhaltung der Einkaufsmöglichkeit im Dorf spricht auch für die bisherige Betreiberin», erklärt Elfi Amacher, Mitglied der Arbeitsgruppe und des neu gegründeten Genossenschaftsvorstands. Am 1. November wird Erna Amacher die Geschicke ihres Betriebes an die Genossenschaft übergeben. Als Angestellte wird sie zu einem reduzierten Pensum im Dorfladen weiterarbeiten. Die Unterlagen über die Gründung der Genossenschaft sind derzeit unterwegs zum Handelsregister. In den nächsten Wochen und Monaten wird noch einiges an Arbeit auf den Genossenschaftsvorstand zukommen. Mietverträge für das Lokal müssen angepasst werden und die Suche nach geeignetem Personal wird auch Aufwand mit sich bringen. Die Stimmung für die Zukunft des Dorfladens ist positiv, der Vorstand ist zufrieden, dass bislang ein gutes Polster an Eigenkapital zusammengekommen ist. «Der Laden braucht aber weiterhin die Unterstützung jedes Einzelnen», erklärt Elfi Amacher. Mit der Zeichnung eines Anteilsscheins alleine ist es nicht gemacht. Das Geschäft muss rentabel betrieben werden, und das funktioniert nach wie vor nur, wenn der Umsatz stimmt. Anteilsscheine im Wert von 100, 200 und 500 Franken können weiterhin gezeichnet werden. Für jeden Genossenschafter wird eine einmalige Eintrittsgebühr von 200 Franken fällig. Der Dorfladen wird ohne Unterbruch bis zur «Wiedereröffnung» unter neuer Führung betrieben. Vom 1. bis 6. November ist eine Eröffnungswoche geplant, zudem soll ein Fest für den alten neuen Dorfladen stattfinden.
Schrittmacher für das Herz des Dorfes
Genossenschaft für den Dorfladen wird gegründet
Der Dorfladen von Erna Amacher bildet das gesellschaftliche Herz von Niederried. Die Betreiberin des Geschäfts will aber kürzertreten, jetzt setzt sich eine Arbeitsgruppe für die Weitererhaltung des Ladens ein. Für die Genossenschaft Dorfladen Niederried können derzeit Anteilscheine gezeichnet werden.
Montagmorgen im Dorfladen. Es herrscht reger Betrieb: Einheimische tätigen Besorgungen für das Familienzmittag, ein Tourist kauft sich Proviant für die bevorstehende Wanderung, frische Ware ist eingetroffen. Erna Amacher, die den Laden in Niederried seit mehr als elf Jahren betreibt, ist in ihrem Element. Die Lieferungen müssen kontrolliert werden, das Telefon klingelt, Kunden wollen bedient werden – manche wollen nur einen kurzen Schwatz halten. Auch die Angestellte hat alle Hände voll zu tun. Ein Schulkind macht sich beim Gestelle einräumen – ein beliebter Ferienjob – nützlich. Der Dorfladen Niederried ist Einkaufszentrum, Touristinformation und Dorfmittelpunkt zugleich. Das breite Angebot wird geschätzt. Es ist kein 100-Prozent-Job, den Erna Amacher erfüllt. Alle Arbeiten nehmen weit mehr Zeit in Anspruch. «Ich möchte nicht mehr die gesamte Verantwortung tragen», erklärt Amacher. Deshalb hat sie ihren Vermieter, aber auch die Gemeinde, rechtzeitig informiert, dass sie kürzertreten, sich wieder vermehrt um Familie und Hobbys kümmern möchte, nicht nur altershalber. Für den Laden konnte jedoch keine Nachfolge gefunden werden, obwohl das Geschäft frühzeitig zur Miete und Übernahme ausgeschrieben war.
Laufende Zeichnung
Die Idee, eine Genossenschaft zu gründen, lag nahe. An einer Informationsveranstaltung im April wurde erstmals der Puls in der Bevölkerung gefühlt. Das Echo war gross, rund 70 Personen nahmen am Anlass teil. Viele von ihnen – nicht nur ältere Einwohner – können sich ein Leben ohne ihren Dorfladen kaum vorstellen. Der Gemeinderat setzte eine Arbeitsgruppe ein, die sich fortan um die Gründung einer Genossenschaft Dorfladen Niederried kümmerte. Nun kommt der Stein ins Rollen: Die Gründungsversammlung ist auf den 20. August angesetzt, ab 1. November soll der Dorfladen unter der neuen Führung stehen. Die Arbeitsgruppe – die aus allen Schichten der Niederrieder Bevölkerung besteht – hat ein Konzept zusammengestellt, die Zeichnung der Anteilscheine läuft noch bis zum 13. August. Für den Beitritt zur Genossenschaft ist eine Eintrittsgebühr von 200 Franken sowie der Kauf von mindestens einem Anteilsschein im Wert von 100, 200, oder 500 Franken nötig. Die Zeichnung läuft nicht schlecht. Um den Dorfladen zu betreiben, ist ein Startkapital von rund 90’000 Franken nötig. Dieses soll – nebst den Anteilscheinen – über Sponsoring und ein Bankdarlehen finanziert werden.
Wichtiges Argument
«Mit der Zeichnung von Anteilscheinen alleine ist es allerdings nicht gemacht», erklärt das Arbeitsgruppen-Mitglied Elfi Amacher. «Wir sind darauf angewiesen, dass auch im Dorfladen eingekauft wird. Mindestens gleich viel, wenn nicht sogar mehr als früher.» Nur so können das Sortiment und der Betrieb aufrechterhalten werden. Und nur so können die Löhne der Angestellten bezahlt werden. Die bisherige Betreiberin Erna Amacher wird die Genossenschaft mit ihrem grossen Wissen unterstützen. Und bestimmt auch weiterhin im Geschäft mithelfen. Das bisherige Konzept wird mehrheitlich beibehalten. So setzt die Genossenschaft auf lokale Produkte, beispielsweise Bergkäse und Eier aus dem Dorf selber. Auch bei den Öffnungszeiten möchte man so wenig Abstriche wie möglich machen. Der Laden trägt wesentlich zur Attraktivität des Dorfes am Brienzersee bei und ist ein wichtiges Argument für Neuzuzüger oder Gäste, die eine Ferienwohnung mieten. Er ist ein Stück weit das Herz des gesellschaftlichen Lebens, die Genossenschaft soll dafür sorgen, dass dieses in Niederried weiter schlägt.
















