10 Jahre Dorfladen Jedesheim
4. Oktober 2011 von dorfladen-netzwerk | kein Kommentar
Illertissen. In Jedesheim ist so manches anders, da gibt es eine Gemeinschaft, die anderswo schon lange zerbröselt ist. Ausdruck dieses Zusammenhalts ist der Dorfladen, der am heutigen Tag seit nunmehr genau zehn Jahren besteht. Gefeiert wurde allerdings schon gestern, am Tag der Deutschen Einheit, an dem eben auch so etwas wie Jedesheimer Einheit demonstriert wurde – und das mittlerweile sprichwörtliche Wetterglück beim Feiern unter der Dorflinde.
Weil dort eben manches anders ist, begrüßte Siegfried Schwab als Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft nicht zuerst den ranghöchsten Gast, sondern die Kinder. Denn die sind schließlich die Kunden von morgen. Im Dorfladen können die Kleinen noch mit dem Einkaufszettel von der Mutter kommen und sich helfen lassen. Und so arbeitet sich Schwab voran, indem er das Personal und die Raumpflegerinnen („Sie leisten zusammen 500 Arbeitsstunden pro Monat“), die Kunden oder die vielen Helfer – allen voran die „Rentnergang“, die beim Umbau des Gebäudes Großes geleistet hatten – vor den Politgrößen willkommen hieß. Bürgermeisterin Marita Kaiser war nicht mit leeren Händen erschienen. Sie kaufte im Namen der Stadt zehn Anteilsscheine der Laden-Genossenschaft. Bisher hatte die Kommune lediglich einen einzigen zum Preis von 130 Euro besessen. Zum Großunterstützer wird die Stadt mit dieser Geste dennoch nicht, denn von den rund 270 Anteilseignern hält der Unternehmer Josef Kränzle die meisten Scheine – etwa ein Viertel.
Die Bürgermeisterin lobte den Dorfladen als Beispiel für den Gemeinsinn und den Zusammenhalt von Jedesheim sowie dafür, wie man etwas erreiche, wenn man es nur wolle. Sie ist sich sicher, dass in kleinen Ortschaften, in denen noch ein Laden besteht, das Dorfleben noch ein Stück weit stimme.
Als stellvertretender Landrat kam Herbert Pressl ebenfalls mit einem Geschenk, das sich in Euro und Cent ausdrücken lässt. Er räumte ein, dass lange Zeit nicht nur die Kunden, sondern auch die Politik die Dorfläden verschmähten. Wo diese verschwunden seien, fehle es nicht nur an Einkaufsmöglichkeiten, denn die Läden seien auch Lebens- und Kommunikationsmittelpunkte. Um solch ein Geschäft in Eigenregie zu betreiben, gehöre schon eine riesige Portion „Wir-Gefühl“ dazu.
Rainer Utz, Geschäftsführer des Haupt-Lebensmittellieferanten, betonte ebenfalls die soziale Funktion eines Geschäfts für die Dorfgemeinschaft. Von den rund 450 Geschäften, die er beliefert, sind 30 mittlerweile gemeinschaftlich betriebene Läden. Wie er gegenüber unserer Zeitung sagte, sei es allerdings für jeden davon ein ständiger Kampf, um über die Runden zu kommen.
Quelle: Augsburger Allgemeine vom 3.10.2011 – Von Ronald Hinzpeter
















