Unser Lädle legt guten Start hin
5. November 2011 von dorfladen-netzwerk | kein Kommentar
Bei der Gründungsversammlung zeichnen 22 Gräfendorfer Anteile für 9000 Euro
Ein Dorfladen soll die Versorgung in Gräfendorf sichern. Die Grundlage dafür wurde am Mittwoch in der Gemeinderatssitzung und am Donnerstagabend in der Gründungsversammlung mit 110 Bürgern in der Mehrzweckhalle geschaffen. „Ich bin wahnsinnig stolz auf die vier Arbeitsgruppen, die in nur einem halben Jahr dieses fundierte Konzept geschaffen haben“, sagte Bürgermeister Alfred Frank, in der Funktion als vorübergehender Geschäftsführer der „Mini-GmbH Dorfladen“. Der Dorfladen solle die Lebensqualität im Saaletal verbessern. Eine Fragebogenaktion im Vorfeld signalisierte über 96 Prozent Zustimmung, anonym sagten die Bürger 30 000 Euro Beteiligungskapital zu. Somit nahm man das Projekt in Angriff.
Weil die Firma Schlecker ihre Filiale in der Hauptstraße auflöst, stehen dort geeignete Räume für „Unser Lädle“ zur Verfügung. So heißt der neue Einkaufsladen, der außer dem Sortiment vergleichbarer Lebensmittelmärkte auch Dienstleistungen anbietet und mit einer Kommunikationsecke zum gemütlichen Einkaufen einlädt. Die Eröffnung ist in der Faschingswoche, Ende Februar 2012, vorgesehen.
„Jetzt liegt es an Ihnen. Wir haben die Aufgaben schon verteilt.“ (Alfred Frank zu den 110 Bürgern)Die „Idee Dorfladen“ nahm mit dem Gemeinderatsbeschluss am 1. März ihren Anfang, berichtete Johannes Wagenpfahl in einem Rückblick. Nach der Besichtigung funktionierender Dorfläden und einer überörtlichen Bürgerversammlung mit Expertenvortrag zeigten sich 17 Bürger bereit, bei den Vorbereitungen mitzuarbeiten. Es gründeten sich vier Arbeitsgruppen, die nun ihre Ergebnisse vorstellten. Für das Logo war die Gruppe um Wolfgang Schaub zuständig. Das „Markenzeichen“ zeigt den Schriftzug „Unser Lädle“ und vermittelt die Botschaft, die Frank angesprochen hatte: „Ich gehe in meinem Laden einkaufen – und das ist Lebensqualität.“
Bei der Suche nach einem geeigneten Standort prüften Frank Ullrich und seine Helfer mehrere Gebäude und die Möglichkeit eines Neubaus. Dabei gingen sie anhand eines Rasters vor, das unterschiedlich gewichtete Faktoren wie Einrichtungskosten, Barrierefreiheit, Parkplätze, Lage, Größe und Hochwassergefahr enthielt. Die Schleckerfiliale mit 172 Quadratmetern Fläche in der Hauptstraße, relativ hochwasserfrei gelegen, war eindeutig der Favorit. Mit der benachbarten Bäckerei Sorrentino fanden Kooperationsgespräche statt und Barrierefreiheit ist leicht zu schaffen. Außerdem sei keine Nutzungsänderung nötig.
Über die Suche nach der geeigneten Rechtsform berichtete Otmar Köhler. Mit der seit 2008 möglichen Unternehmensgesellschaft (UG), eine bis heute wenig bekannte „Mini-GmbH“, habe man die passende juristische Form gefunden, die ohne viel Kapitaleinsatz den beteiligten Bürgern, den stillen Teilhabern, weinig Haftungsrisiken abverlangt.
Gesellschafter ist die Gemeinde mit einer Einlage von 500 Euro. Alle stillen Teilhaber, die sich vertraglich mit Beiträgen ab 200 Euro Anteile sichern können, wählen in der ersten Gesellschafterversammlung aus ihrer Mitte sechs Beiräte. Diese bestimmen mit dem Vertreter des Gesellschafters (Bürgermeister oder Stellvertreter), den Geschäftsführer und beschließen, was mit der Gesellschaft, mit Gewinn oder mit Verlust geschehen soll.
Weit fortgeschritten sind die Verhandlungen mit den Lieferanten, berichtete Katrin Roloff, die als Vollzeitkraft mit Vertreterin Petra Thurn den Laden leitet. Ihnen werden zumindest in der Anfangszeit zwei 400-Euro-Helfer zur Seite stehen. Generell müsse man abwarten, wie sich das Geschäft entwickelt, meinte Geschäftsführer Frank. Dann könne man mit Blick auf das Sortiment oder die Öffnungszeiten reagieren.
„Ich gehe in meinem Laden einkaufen und das ist Lebensqualität.“ (Alfred Frank zur Idee des Dorfladens)Als Hauptlieferant habe man die Eibelstadter Lebensmittelhandelsgesellschaft (LHG) gewonnen, die aus ihrem 14 000 Artikel umfassenden Sortiment dreimal wöchentlich frische Ware liefert. „Die Preise sind wie bei Edeka“, erklärte Roloff. Außerdem sei die tägliche Lieferung von Wurst und Fleisch angestrebt, wozu sich schon mehrere Metzgereien aus der Region angeboten haben.
Zum lokalen Anbieterkreis zählen bis jetzt Fischgut Seewiese, Käserei Dittlofsroda, Dorfgemeinschaft Hohenroth sowie Eier- und Nudel-Vogler. Kaffee-Ecke, Post-Point und Hermes-Paketversand werden das jederzeit ausbaufähige Angebot abrunden. Mit der Lottogesellschaft stehe man noch in Verhandlungen, ebenso beim Aufbau eines Rezept- und Arzneimittelservices. Die geplanten Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 7 bis 19 Uhr, Dienstagnachmittag ist geschlossen, und samstags von 7 bis 13 Uhr.
„Jetzt liegt es an Ihnen, wir haben die Aufgaben schon verteilt“, sagte Bürgermeister und Geschäftsführer Frank zu den 110 Teilnehmern. Spontan folgten 22 dem Aufruf und zeichneten Anteile im Wert von 9000 Euro.
Die Dorfladengründer: Geschäftsführer Alfred Frank (von links), Johannes Wagenpfahl, Sprecher der Arbeitsgruppen, Wolfgang Schaub (Layout und Logo), Katrin Roloff (künftige Marktleiterin, Sortiment), Otmar Köhler (Organisation) und Frank Ullrich (Standortsuche).
Quelle: www.mainpost.de | 5.11.2011 | Verfasser: Ferdinand Heilgenthal
















