Eigeninitiative statt Unterversorgung
Im März 2007 starten wir auf dieser Homepage des Niedersächsischen Dorfladen-Netzwerkes mit einer neuen Internetseite für ein “bundesweites Netzwerk Nahversorgung” und informieren über Initiativen von Bürgergruppen, Dörfern und Gemeinden zur Erhaltung der Nahversorgung in ihrem Dorf. Wir schalten Links zu uns bekannten Dorfläden in anderen Bundesländern und wollen damit einen Informationsaustausch ermöglichen.
Wir danken Herrn Klaus Karweik vom Amt für Landentwicklung GLL in Verden für seine längjährige Unterstützung und seine Ideen. Aufgrund einer Bitte von Klaus Karweik hat Herr
vom Kirchlichen Dienst auf dem Lande der ev.-luth. Landeskirche Hannover einen Aufsatz zum Thema “Dorfläden” exclusiv für www.dorfladen.net geschrieben.

Herr Wichert von Holten ist
des Ausschusses der Dienste auf dem Lande
der Evangelischen Kirche in Deutschland (ADL der EKD)
Gerne veröffentlichen wir hier den Aufsatz von Herrn Wichert von Holten und danken recht herzlich für seine anerkennenden und motivierenden Worte.
Dorfläden
Vielen Dank den Menschen in unseren Dörfern, die sich etwas trauen! Unter denen, die sich für Nachbarschaftshilfe einsetzen, für die Vereine mehr als nur eine Interessengemeinschaft sind und sich bemühen, die Kirche im Dorf zu lassen, brauchen wohl jene, die ein Dorfladenprojekt starten besonderen Mut. Nein, nicht weil es in erster Linie mit einem finanziellen Risiko verbunden wäre, sondern weil der Mut schon sehr früh anfangen muss. Er fängt damit an, dass Dorfleben nicht nur als defizitär zu begreifen. Jene Menschen sollten ein Gespür für Stärken, Möglichkeiten und Gestaltungsräume in ihrem eigenen ländlichen Umfeld haben. Und dieses natürlich nach außen vertreten können. Es reicht nicht, wenn man sagt: „Früher hatten wir doch auch einen Laden im Dorf und eine Gastwirtschaft und eine Kirche mit Pfarrhaus, das hat man uns genommen und jetzt wollen wir es wieder haben.“ Die Haltung „Was früher geklappt hat, das muss doch auch heute klappen“ ist nicht wirklich hilfreich. Nein, so scheitern die meisten Dorfläden und werden Investitionsruinen. Das besonders Traurige daran ist, dass sich nicht Geld, sondern Engagement an ihnen aufgerieben hat. Einen Dorfladen, so wie er heute das dörfliche Leben, Gemeinschaft, Kommunikation und das Bleibenkönnen auf dem Lande ermöglichen soll, kann man nicht wie eine Antiquität in ein modernes Wohnzimmer stellen. Er muss sich hineinpassen in die Wohnwirklichkeiten und Lebensbedingungen der Menschen von heute.
Ein Dorfladen für alle ist sicherlich immer ein Dorfladen durch alle. Und weil er niemals mit dem Supermarkt auf der grünen Wiese oder dem Umstand am fernen Arbeitsort mal eben einkaufen zu müssen mithalten kann, muss er einen Mehrwert bieten. Dieser Mehrwert lässt sich weniger mit dem Warensortiment erreichen, als mit den Dienstleistungen, die es nur hier gibt. Besonders erfolgreich sind die Modelle, in denen zu der regionalen Ware auch das regionale Kochen in Kursen oder im schnellen Erklären über den Ladentisch angeboten wird. Oder dann, wenn ein älterer Mensch, ohne Mobilitätsanbindung, seinen Einkaufszettel für die Woche abgeben kann und vom Laden aus alles auch im fernen Supermarkt besorgt werden kann, was tatsächlich den Bedarf des Lebens deckt. Ideen gibt es sicherlich zuhauf. So kenne ich z.B. einen Pastorenkollegen, der seine Sprechzeiten in die örtliche Dorfladen-Tankstellen-Kombination verlegt hat. Ihn treffen zwei Mal in der Woche am Abend alle Pendler im Dorf. Und ganz unverbindlich und ohne Aufsehen oder falsche Rührseligkeit, kann man manchmal eben mehr auftanken als nur sein Auto. Dorfläden decken sicherlich nie den „Grundbedarf“ des dörflichen Lebens, aber sie machen es komplett. Füllen Lücken, und bilden eine Klam mer zwischen leben und begreifen, was das Dorf wirklich braucht. Und sie zeigen wie Gemeinschaft darin funktionieren kann; für alle, ob alteingesessen oder neuzugezogen. Doch gilt für den Dorfladen auch genau dass, was eigentlich für jedes Geschäft gilt? Er lebt nicht nur vom Engagement, sondern von der Herzlichkeit derer, die hinter der Ladentheke stehen. Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Wer ein Geschäft aufmachen will, der muss lächeln können.“ Beim Dorfladen darf das nie ein falsches Grinsen sein. Denn ein Dorfladen ist eine fröhliche Zumutung, das Jammern und das defizitäre Leben auf dem Dorf mit Hoffnung und positiver Erfahrung zu überwinden. Wer segnen will, muss die Arme ausbreiten. Damit die Menschen im Dorf auch tatsächlich in den Dorfladen kommen, wird das auch sehr nötig sein, genauso wie langer Atem, Geduld und das Verkraften von Rückschlägen. Mit der Zeit stehen die Chancen aber gar nicht so schlecht, dass alle im Dorf merken, dass der Laden in unserer Mitte ein Segen ist.
Ich wünsche allen jetzigen und zukünftigen Dorfladenbesitzern Mut, Kraft und Gottes Segen, es lohnt sich.
Stephan Wichert-v. Holten
Kirchlicher Dienst auf dem Lande der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover
Bundesvorsitzender ADL der EKD
Niedersachsen:
- Dorfladen Otersen, 27308 Kirchlinteln-Otersen – eMail: dorfladen@otersen.de
- Lintler Laden, 27308 Kirchlinteln-Bendingbostel
- Unser Laden Roringen e.V., 37077 Göttingen
Schleswig-Holstein:
- MarktTreff-Initiative in Schleswig-Holstein
Nordrhein-Westfalen:
- DORV-Dorfladen in 52428 Jülich-Barmen
Baden-Württemberg:
- KOMM-IN Offensive Nahversorgung in Baden-Württemberg 75447 Sternenfels
- Dorfladen Pfrondorf eG, 72074 Tübingen-Pfrondorf
- Dorfladen Gottwollshausen, 74523 Schwäbisch-Hall
Hessen:
- Dorfladen Michelbach, 35041 Marburg
Bayern:
- Dorfladen in Utzenhofen in der Oberpfalz, Erster Dorfladen Bayerns seit 1994
- Dorfladen Ettenbeuren, 89358 Kammeltal
- Dorfladen Rödelsee (“Rödelseer Markt”), 97348 Rödelsee
- Dorfladen Daiting, 86653 Daiting
- Dorfladen Niederrieden, 87767 Niederrieden
- Dorfladen Ramsau, Reichertsheim
- Dorfladen Paunzhausen eG, 85307 Paunzhausen
















