Klausen – Wallfahrtsort in der Moseleifel

DSC_0260_KlausenSeit 2007 wird im Wallfahrtsort Klausen an der Mosel im rheinland-pfälzischen Landkreis Bernkastel-Wittlich erfolgreich ein Dorfladen betrieben. Das Besondere daran ist, dass der Laden aus der Dorfgemeinschaft heraus im Rahmen eines sogenannten „Wirtschaftlichen Vereins“ organisiert ist. Die Gemeinde zählt rund 1.300 Einwohner. Am 24. und 25. Januar wird ein vierköpfiges Team des Dorfladen Klausen w.V. mit ihrem Vorsitzenden und Ortsbürgermeister Alois Meyer an der Spitze Klausen und damit Rheinland-Pfalz bei der 80. Int. Grüne Woche in Berlin, der weltgrößten Ernährungsmesse, in der Halle 4.2. “Lust aufs Land” auf dem Messestand 110 des Dorfladen-Netzwerkes direkt gegenüber der LandSchau-Bühne vertreten.

2005 trafen sich etwa 40 Klausener Bürgerinnen und Bürger zur jährlichen Bürgerversammlung, um sich mit der Entwicklung im Dorf auseinanderzusetzen. Dabei wurde deutlich das Fehlen eines Ladens im Ortskern als Entwicklungshemmnis und auch als schmerzlicher Einschnitt an Lebensqualität im Dorf ausgemacht. Die Ortsgemeinde griff die Anregung auf und man bemühte sich zunächst einen neuen privaten Betreiber für einen Lebensmittelladen zu finden. Die Bemühungen liefen jedoch, wie auch nicht anders zu erwarten war, ins Leere.

Daraufhin nahm die Gemeinde die Dinge selbst in die Hand und begann einen von der Gemeinde betriebenen Laden auf die Beine zu stellen. Man mietete einen leerstehenden Laden im Ortskern an, kaufte aus einer Ladenauflösung in einem anderen Ort die Ladeneinrichtung und setzte sich mit möglichen Lieferanten in Verbindung. Schnell füllten sich die Regale und man begann mit dem Verkauf. Auf Anhieb waren die Umsätze so, dass sich der Laden trug. Alles schien einen guten Weg zu nehmen, bis die Mühlen der Verwaltung in Bewegung kamen. Es meldete sich die kommunale Aufsichtsbehörde und wies auf den § 85 der rheinland-pfälzischen Gemeindeordnung hin. Dort ist festgelegt, in welchem Umfang und in welchen Bereichen sich eine Gemeinde wirtschaftlich betätigen darf. Der Betrieb eines Lebensmittelgeschäftes gehört dabei nicht zu den originären Aufgaben einer Gemeinde.

Es drohte die behördliche  Schließung des Ladens, der mittlerweile von der Dorfbevölkerung gut angenommen wurde. Nun begann eine Welle an Hilfsbereitschaft, auch seitens der Verwaltungen, eine  intensive Suche nach Lösungen. Heraus kam das Modell des sogenannten „Wirtschaftlichen Vereins“.

Mittlerweile beschäftigt der Verein 14 Personen aus Klausen als Minijobber im praktischen Ladenbetrieb. Der Laden erwirtschaftet einen beachtlichen Umsatz und ist aus dem dörflichen Leben in Klausen nicht mehr wegzudenken. Im Laden werden dabei nicht nur Lebensmittel verkauft, sondern auch Dienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger angeboten, die im Laufe der Jahre im Dorf weggebrochen sind. Oftmals bringen die Dienstleistungen für den Ladenbetrieb keinen wirtschaftlichen Nutzen, sind aber für das Dorf ein großer Gewinn. So kann man hier z.B. nach der Schließung der Postfiliale nun auch wieder Briefmarken kaufen, ohne dass der Laden daran etwas verdient. Vier kleine Tische im Laden laden zum Verweilen und zum Gespräch ein.

Ansonsten ist das Angebot im Laden sehr vielfältig. Es gibt alles, was man für den täglichen Bedarf braucht. Großen Wert legt man auf regionale Produkte. So wird der Laden von einem Metzger aus dem Nachbardorf beliefert und auch die Backwaren stammen aus einer Bäckerei in der Nähe. Honig gibt es direkt vom Imker und Gemüse und Salat bietet man nach der Saison an. Auch das ist neu entdeckte Lebensqualität, dass man sich auf das Angebot der Saison freut und nicht das ganze Jahr über z.B. Erdbeeren kaufen kann.

Klausen

Deutschlandradio Kultur berichtete am 29.4.2014 über den Dorfladen Klausen http://www.deutschlandradiokultur.de/vorbilddorf-klausen-im-kleinen-ganz-gross.1001.de.html?dram:article_id=283986

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Für weitere Informationen über den Dorfladen mit Café-Bistro im Wallfahrtsort Klausen in der Moseleifel empfehlen wir die gelungene Internetseite www.unser-dorfladen-klausen.de.

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Über die 9 Dorfläden aus 5 Bundesländern bei der Int. Grüne Woche in Berlin vom 16. bis 25. Januar 2015 berichten wir umfassend auf der Seite www.dorfladen-netzwerk.de/gruene-woche-2015/. In der Halle 4.2. “Lust aufs Land” wurde anlässlich der welt-größten Ernährungsmesse täglich und “nonstop” ein vielfältiges Programm auf der LandSchau-Bühne mit Musik, Vorführungen und Gesprächsrunden zu “Land-Themen” geboten. Das Dorfladen-Netzwerk organisierte tägliche Gesprächsrunden zu den Themen “Sicherung der Nahversorgung”. Für den Dorfladen Klausen nahm Ortsbürgermeister Alois Meyer (rechts) an zwei Tagen an den Gesprächsrunden teil (Foto unten).
Gesprächsrunde auf der LandSchau-Bühne am 24.1.2015

Gesprächsrunde auf der LandSchau-Bühne am 24.1.2015

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